Angriff auf den Iran: Regimewechsel oder Eskalation in Nahost?

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Die Zeichen im Nahen Osten stehen erneut auf Krieg: Das Ziel ist in diesem Fall aber nicht Israel, sondern der Iran. Unter den Codenamen "Operation Epic Fury" bzw. "Brüllen des Löwen" führen die USA und Israel seit Ende Februar 2026 gezielte Angriffe auf die Islamische Republik.

Während die israelische Regierung zunächst von einem "Präventivschlag" sprach, wurde US-Präsident Donald Trump in einer Ansprache deutlicher: "Unser Ziel ‌ist ⁠es, ⁠das amerikanische Volk dadurch zu schützen, dass die unmittelbare ​Bedrohung durch das iranische Regime eliminiert ​wird". Demnach sei ein "großer Kampfeinsatz" begonnen worden. Zudem rief Trump die iranische Bevölkerung auf, die Macht im Land zu übernehmen: "Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung".

"Ihr werdet sie übernehmen können. Das wird wahrscheinlich eure einzige Chance in Generationen sein."

Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) (2017-2021 und seit 2025)

Laut einem Bericht des US-Senders CNN konzentrieren ​sich die ‌US-Angriffe auf militärische Ziele im Iran. Nach Angaben des israelischen Rundfunks attackiere die Armee Ziele von "Regime und Militär". Ein prominentes Opfer haben die Angriffe bereits gefordert. Nach Angaben iranischer Staatsmedien ist der Oberste Führer Ali Chamenei dabei ums Leben gekommen. Der 86-Jährige sei  "Märtyrer" getötet worden. Mehreren Berichten zufolge wurden auch einige Angehörige Chameneis bei den Luftangriffen getötet. Wenige Tage nach seinem Tode wurde Chameneis Sohn Modschtaba Chamenei vom Expertenrat zum neuen Obersten Führer gewählt. Neben Ali Chamenei wurden der iranische Generalstabschef Abdolrahim Mussawi sowie der Befehlshaber der Iranischen Revolutionsgarde, Mohammad Pakpour, durch die Angriffe getötet.

Die iranischen Revolutionsgarden kündigten bereits Rache an. "Die Mörder des Imams der Nation werden einer harten, entschiedenen und abschreckenden Strafe nicht entgehen", hieß es in einer Mitteilung. Welche Konsequenzen der Tod Chameneis mittel- bis langfristig haben wird, ist bislang noch nicht abzusehen. In der iranischen Bevölkerung gab es zwiespältige Reaktionen auf den Tod des Obersten Führers. So gab es nach den ersten Berichten in Teheran spontanen Jubelszenen. Zudem skandierten schwarz gekleideten Teilnehmer einer Kundgebung auf dem zentralen Enghelab-Platz die Parolen "Tod den Vereinigten Staaten" und "Tod Israel".

Quelle: Statista

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Die militärischen Auseinandersetzungen werden jedenfalls weiter gehen. "In Kürze werden die größten militärischen Einsätze in der Geschichte der iranischen Streitkräfte gegen Israel und US-Stützpunkte in der Region beginnen", hieß es bei den Revolutionsgarden. "Dieses große Verbrechen wird nicht unbeantwortet bleiben und ein neues Kapitel in der Geschichte der islamischen Welt sowie des Schiismus aufschlagen." Das Blut Chameneis werde "wie eine reißende Quelle hervorquellen und das amerikanisch-zionistische Unrecht und die Verbrechen ausmerzen", erklärte die Regierung.

Bereits zu Beginn der Attacken hatte der Iran auch die benachbarten Golfstaaten attackiert. Während Katar und Kuwait einige Verletzte registrierten, meldeten die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) zwei Todesopfer. Bahrain und Saudi-Arabien meldeten ebenfalls iranische Attacken. Auch im Libanon hat die schiitische Hisbollah erstmals seit der Waffenruhe im November 2024 mehrere Raketen auf Israel abgefeuert. Das israelische Militär reagierte mit Luftangriffen, die rund 30 Tote und Verletzte forderte.

Iran sperrt die Straße von Hormus

Darüber hinaus ist auch die Schifffahrt in der Straße von Hormus betroffen. So hat die iranische Regierung die Durchfahrt verboten und bereits mehrere Öltanker beschossen. Die Reedereien wollen nun die Wasserstraße meiden. Außerdem teilten mehrere Schiffsversicherer den Versicherungsschutz für Kriegsrisiken in der Region zurückziehen werden. Der japanische Versicherungskonzern MS&AD Insurance erklärte, den Abschluss von neuen Policen für Kriegsrisiken in den Gewässern um den Iran und Israel aussetzen werde.

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Allerdings wird nur ein Bruchteil der deutschen Rohölimporte durch die Straße von Hormus transportiert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stammen nur 6,1 Prozent des eingeführten Öls aus dem Nahen Osten. Dies entspricht 4,6 Millionen Tonnen von insgesamt 75,7 Millionen Tonnen Rohöl, die 2025 nach Deutschland importiert wurden. Wichtigster Rohöl-Lieferant ist Norwegen mit einem Anteil von 16,6 Prozent (12,5 Millionen Tonnen) der gesamten Rohöl-Einfuhren. Dahinter folgten die USA mit 16,4 Prozent (12,4 Millionen Tonnen) sowie Libyen mit 13,8 Prozent (10,4 Millionen Tonnen).

Der wichtigste Rohöl-Exporteur aus dem Nahen Osten nach Deutschland war der Irak mit einem Anteil von 4,2 Prozent (3,1 Millionen Tonnen). Dahinter folgten 2025 die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) mit einem Anteil 1,1 Prozent (801 000 Tonnen) und Saudi-Arabien mit 0,8 Prozent (642 000 Tonnen). Allerdings ist die deutsche Nachfrage nach Rohöl in den letzten Jahren deutlich gesunken. 2025 wurden 75,7 Millionen Tonnen Rohöl für durchschnittlich 477 Euro pro Tonne nach Deutschland importiert. Dies waren 10,6 Prozent weniger als noch im Jahr 2020 mit 84,7 Millionen Tonnen.

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Zum Vergleich: Die 27 EU-Mitgliedstaaten importierten 2025 laut EU-Statistikbehörde Eurostat insgesamt 429,3 Millionen Tonnen Rohöl, wovon 13,0 Prozent (55,9 Millionen Tonnen) aus dem Nahen Osten stammten. Die wichtigsten Lieferländer der EU für Rohöl aus dem Nahen Osten waren Saudi-Arabien mit einem Anteil von 6,9 Prozent (29,6 Millionen Tonnen) und der Irak mit 5,9 Prozent (25,1 Millionen Tonnen).

Konflikt treibt die Energiepreise in die Höhe

Der Konflikt im Nahen Osten wirkt sich längst auch auf Deutschland aus. Vor allem die Autofahrer spüren dies unmittelbar durch deutlich gestiegene Benzin- und Dieselpreise. So haben die iranische Blockade der Straße von Hormus und die wiederholten Angriffe auf Energieinfrastruktur in der Golfregion den weltweiten Ölpreis in die Höhe schießen lassen. Der Dieselpreis stieg am 1. April 2026 mit 2,33 Euro pro Liter ein neues Allzeithoch. Seit Kriegsbeginn ist er damit um 57 Cent gestiegen. Zum Vergleich: Zu Beginn des Ukraine-Krieges stieg der Dieselpreis auf 2,32 Euro (Stand: März 2022).  

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Der ADAC kritisierte die Preiserhöhungen an den Zapfsäulen hingegen als unangemessen, da der Rohölpreis zwischen dem 31. März und dem 1. April 2026 gesunken sei. "Die Sorge des ADAC scheint sich zu bestätigen, dass Mineralölkonzerne im Zweifel einen Risikoaufschlag machen, weil sie Kraftstoffpreise nur noch einmal täglich erhöhen können", erklärte ein Preisexperte des Automobilclubs in München. So reduziere die neue Spritpreisregel nicht das Preisniveau.  "Nach Überzeugung des ADAC ist es nun Aufgabe des Bundeskartellamtes, Mineralölkonzerne zur Mäßigung zu bewegen", heißt es weiter.

Führende Ökonomen gehen allerdings voraus, dass dies erst der Beginn einer länger andauernden Phase der Teuerung sein dürfte. "Die Inflationsrate wird in den kommenden Monaten deutlich anziehen", befürchtet deshalb die Bundesbank. So "dürfte die Inflationsrate in nächster Zeit deutlich in Richtung drei Prozent ansteigen", heißt es im jüngsten Monatsbericht.

"Der Anstieg der Inflation im März ist erst der Anfang. Die höheren Energiekosten werden sich in den kommenden Monaten durch die Wertschöpfungsketten fressen, sofern der Krieg nicht rasch endet."

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank AG

Vor dem Iran-Krieg waren viele Ökonomen noch damit gerechnet, dass die Teuerung in Deutschland dieses Jahr knapp über der Marke von zwei Prozent liegen werde. Die Deutsche Bundesbank geht nun davon aus, dass die Inflation in Deutschland im Jahresdurchschnitt um 2,7 Prozent steigen wird. So zeigte sich Der Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Moritz Schularick, im ZDF-Interview mit Blick auf die Weltwirtschaft "sehr besorgt". Demnach sei durch die Blockade der Straße von Hormus sei das weltweite Ölangebot um rund zehn Prozent reduziert. Auch beim Gas-Angebot sehe es ähnlich aus. 

"Das wirkliche Negativ-Szenario ist jetzt eine lange und dauerhafte Schließung dieser so wichtigen Seestraße - vielleicht auch eine Bodenoffensive."

Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), im ZDF-Interview

Gleichzeitig drückt der Konflikt mit dem Iran auch auf die Stimmung in den deutschen Chefetagen. Im März 2026 sank der Ifo-Geschäftsklimaindex auf 86,4 Punkte (Februar 2026: 88,4 Punkte). "Der Krieg im Iran bremst die deutsche Konjunktur aus", erklärte Ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Demnach rechne vor allem die energieintensive Industrie mit Branchen wie Chemie und Kunststoffen mit höheren Preisen.

Vor allem im Service-Sektor seien die Erwartungen im März 2026 eingebrochen, erklärte Ifo-Chef Fuest. "Insbesondere im Tourismus und der Logistik haben sich die Aussichten massiv verschlechtert." Am Bau seien die Aussichten so deutlich wie seit Beginn des Ukraine-Kriegs im März 2022 gesunken. Besonders im Wohnungsbau scheint der Aufwärtstrend durch den Iran-Krieg gefährdet zu sein.

Die meisten Experten haben den Rückgang im Ifo-Index jedoch erwartet. "Das kommt angesichts der Eskalation am Golf mit dem scharfen Anstieg der Energiepreise nicht überraschend", sagte Jens-Oliver Niklasch, Senior Economist der Landesbank Baden-Württemberg.

"Die Fortsetzung des verhaltenen Aufschwungs in der deutschen Industrie ist damit erst einmal vom Tisch."

Jens-Oliver Niklasch, Senior Economist bei der Landesbank Baden-Württemberg

Die Sorgen der deutschen Wirtschaft scheinen jedenfalls berechtigt zu sein. "Wenn der Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus noch ein, zwei Monate anhielten, wäre der wirtschaftliche Schaden für Deutschland deutlich spürbar", betonte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank gegenüber dem ZDF. Der Iran-Krieg könnte dennoch wie ein Katalysator wirken. So würden hohe Energiepreise gleichzeitig Erneuerbare Energien wettbewerbsfähiger und Effizienzinvestitionen rentabler. "Die Energiewende wird kommen, ob wir es wollen oder nicht", prognostiziert der britische Wirtschaftshistoriker Adam Tooze, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Columbia University in New York.

Energiepreise befeuern die Inflation

Nach den Zahlen von Eurostat hat auch die Inflation in der Eurozone im März 2026 weiter an Dynamik gewonnen. So lag die Teuerung für den Gesamtwarenkorb zuletzt bei 2,5 Prozent - das sind 0,6 Prozentpunkte mehr als im Februar 2026. Die Hauptgründe für diese Entwicklung sind der Krieg im Iran und seine Auswirkung auf die Energiepreise. Dabei stiegen die Energiepreise in den 21 Euro-Staaten im März 2026 um 4,9 Prozent. Mit 6,3 Prozent liegt Deutschland deutlich über dem Schnitt. Den stärksten Anstieg der Energiepreise verzeichneten jedoch Finnland, Irland und Litauen mit jeweils mehr als zwölf Prozent.

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Krieg beeinträchtigt den Tourismus in der Region

Auch der Tourismus in der Golfregion ist von den militärischen Auseinandersetzungen betroffen. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) waren zu Beginn des Konfliktes rund 30.000 Deutsche in der Nahost-Region gestrandet. Mittlerweile sind laut DRV fast alle Touristen wieder nach Deutschland zurückgekehrt, die mit einem Reiseveranstalter verreist waren. Dennoch dürfte der aktuelle Konflikt deutliche Spuren in der Golfregion hinterlassen. Laut einer Prognose des Analyseinstituts Tourism Economics könnte der Tourismus in den GCC-Staaten um bis zu 26 Prozent einbrechen. Für die Nicht-GCC-Länder rechnen die Analysten sogar mit einem Einbruch von 34 Prozent.

Nach Angaben des Welttourismusverbandes (WTTC) führe der Einbruch der Reisetätigkeit dazu, dass der Region jeden Tag Einnahmen von rund 600 Millionen Dollar entgehen würden. Besonders spürbar sei dabei auch der Einbruch der Luftfahrt. Ob der Konflikt den Golfstaaten aber langfristig schaden werde, hängt vor allem von seiner Dauer ab. ""Je länger er anhält, desto größer sind die Folgen", betonte Jürgen Schmude, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft, gegenüber der ARD Tagesschau.

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Auch in Thailand herrscht Alarmstimmung: Nachdem die Tourismusbranche des Landes bereits 2025 einen deutlichen Rückgang bei den Gästezahlen hinnehmen musste, hielt der Trend auch im ersten Quartal 2026 an. Auch in Griechenland und Zypern hat der Iran-Krieg die Tourismusbranche hart getroffen. Nach Angaben des US-Unternehmens AirDNA seien die Stornierungsraten auf Zypern innerhalb weniger Tage von 15 auf 100 Prozent gestiegen. Die zypriotische Regierung hat bereits mit einem umfassenden Maßnahmenpaket im Volumen von 200 Millionen Euro reagiert.

In Griechenland berichten die Hoteliers davon, dass die Buchungen -  insbesondere für die Hauptdestinationen Kreta und Rhodos - regelrecht "eingefroren" würden. Auch auf den griechischen Inseln Kos und Samos berichten die Reiseveranstalter von zurückgehenden Buchungen. Das Auswärtige Amt hat bislang keine offizielle Reisewarnung für Zypern ausgesprochen. Mögliche sicherheitsrelevante Vorfälle könnten allerdings nicht ausgeschlossen werden.

Gleichzeitig fördert der Krieg den Tourismus in anderen Regionen. "Die wichtigsten europäischen Herkunftsmärkte - das Vereinigte Königreich, Deutschland, Frankreich und Italien - werden Spanien mit noch größerem Interesse betrachten als üblich", erklärte Juan Molas, Präsident des Spanischen Fremdenverkehrsamtes, gegenüber Euronews. So würden sich die Tourismusströme in den kommenden Monaten "stärker auf als sicher empfundene Regionen verlagern " etwa in den westlichen Mittelmeerraum, nach Lateinamerika und in den asiatisch-pazifischen Raum", ergänzte Molas.

Bundesbürger achten auf politische Rahmenbedingungen

Auch in Deutschland sich die weltweite politische Situation auf das Reiseverhalten der Bundesbürger auszuwirken. Laut einer Umfrage des Deutschen Instituts für Tourismusforschung im Auftrag des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) haben 16 Prozent der 1.124 Befragten angegeben, ihre Reisepläne für Ostern oder die nächsten drei Monate geändert zu haben. Danach haben sich 46 Prozent gegen einen Urlaub entschieden, 32 Prozent haben ihre Reise vollständig storniert.

"Urlaub ist nicht unpolitisch."

Julian Reif, stellvertretender Direktor des Deutschen Instituts für Tourismusforschung

"Unsere Umfrage belegt deutlich die Verunsicherung, die derzeit bei deutschen Urlaubern aufgrund der Krisen in der Welt und der damit einhergehenden Preissteigerungen herrscht", kommentierte DTV-Präsident Reinhard Meyer die Ergebnisse. So habe die gegenwärtige globale politische Situation zumindest kurzfristig einen deutlichen Einfluss auf die Reiseplanung der Deutschen. Daher seien die politischen Rahmenbedingungen am Reiseziel für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil der Urlaubsentscheidung, ergänzte Julian Reif, stellvertretender Direktor des DTV.

Dennoch haben die befragten Bundesbürger ihre Reiselust nicht wirklich verloren. Laut DTV-Umfrage planen rund 72 Prozent von April bis Juni mindestens eine Urlaubsreise im In- oder Ausland. 41 Prozent wollen ihren Urlaub demnach in Deutschland verbringen. Die gefragtesten Reiseziele im Inland sind Bayern (28 Prozent), gefolgt von Baden-Württemberg (zwölf Prozent) und Nordrhein-Westfalen (zehn Prozent). Dahinter kommen Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein auf jeweils neun Prozent. Im Ausland liegen Spanien (15 Prozent) und Italien (14 Prozent) vorn.

Was wollen Trump und Netanjahu?

Das iranische Regime ist trotz der Angriffe jedenfalls weiterhin an der Macht. In seiner jüngste Rede an die Nation betonte Trump, werde "vielleicht zwei Wochen, vielleicht ein paar Tage länger". Dabei müsse es für einen Abzug der USA noch nicht einmal einen "Deal" geben. "Wenn wir das Gefühl haben, dass sie für lange Zeit in die Steinzeit zurückversetzt sind und sie nicht in der Lage sein werden, eine Atomwaffe zu entwickeln, dann werden wir gehen", erklärte Trump weiter. Für den US-Präsidenten scheint das vorrangige Ziel zu sein, den Iran am Bau einer Atombombe zu verhindern.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach hingegen weiterhin von einem Regime-Wechsel im Iran. So sei der Krieg mehr als zur Hälfte erledigt, "im Hinblick auf die Missionen, nicht unbedingt im Hinblick auf die Zeit", sagte er dem US-Sender Newsmax. "Ich denke, dieses Regime wird von innen heraus zusammenbrechen". betonte Netanjahu.

Für den Politikwissenschaftler Klemens Fischer von der Universität Köln scheinen die beide Positionen aber nicht unbedingt ein Widerspruch zu sein. "Die USA wollen und müssen aus diesem Krieg heraus", sagte der Politik-Experte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR). Netanjahu könnte das iranische Regime allerdings alleine weiter bekämpfen oder sich weiter auf den Libanon konzentrieren. "Man hat eine zweite Front, den Libanon, wo man nahezu ungestört von der Außenwelt mit der Hisbollah kämpft", erläutert Fischer. Dies würde bedeuten, dass Israel "einen Kriegsschauplatz hätte", den es weiter alleine bedienen kann, ohne amerikanische Hilfe".

"Die Aussichten auf einen fundamentalen Wechsel sind leider nicht gestiegen, nach allem, was wir bislang sehen können. Das ist bitter. Wir sehen, dass die Entscheidungsstrukturen nach wie vor funktionieren. Wir sehen, dass der Sicherheitsapparat intakt ist."

Azadeh Zamirirad, Leiterin der Forschungsgruppe Region Afrika und Mittlerer Osten bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)

Die iranische Politikwissenschaftlerin Azadeh Zamirirad von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) zieht im Interview mit der ARD Tageschau jedoch eine verheerende Zwischenbilanz des Konfliktes. Die Bevölkerung des Iran befinde sich in einer "desaströsen Situation". "Es gab zu Beginn des Jahres Massenproteste in Iran, die mit einer ungeheuren Brutalität niedergeschlagen wurden. Die Menschen sind nun von dieser Situation direkt in eine Kriegssituation gerutscht, die sich ja auch im Alltag bemerkbar macht", erklärt Zamirjrad. Außerdem habe man "bislang etwa 1.500 zivile Opfer zu beklagen. Wir sehen, dass es mittlerweile mehr als drei Millionen Binnenvertriebene gibt".

"Das Wenige, das man hört, deutet genau darauf hin, dass das Regime weiterhin Kontrolle im Land behält - über die Sicherheitskräfte, die Milizen, die Polizei und die Geheimdienste."

Cornelius Adebahr, selbstständiger Politikberater und Analyst, im ZDF-Interview

Zwar gebe es "ein breites Protestpotenzial, das sich vor allem in der gemeinsamen Forderung bündelt, dass dieses System weg muss". Allerdings sei es "äußerst schwierig, unter autoritären Bedingungen in schneller und vehementer Form zu einer größeren Struktur zu finden". Zudem gebe es "eine ungeheure Paranoia in diesem System, die Vorstellung, dass dieses Land unterwandert wäre von externen Kräften, dass die Gefahr an jeder Ecke lauere", erläutert Zamirjrad. Dies bedeute: "Es ist Schlimmes zu befürchten, weitere Verhaftungswellen, weitere Hinrichtungen, weitere Repression. Der Repressionsapparat ist intakt und wird weiter versuchen, mehr Kontrolle über die inneriranische Sphäre zu gewinnen."

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Veröffentlicht am 04.04.2026
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