Journalistische Kurzbeiträge 2026
Hier finden Sie eine Übersicht von kurzen journalistischen Texten, die ich im Kalenderjahr 2026 in unregelmäßigen Abständen zu verschiedenen Themen aus Politik und Geschichte, Sport und Zeitgeschehen auf dieser Seite publiziert habe.
Donald Trump greift nach Venezuela
Die Beziehungen zwischen den USA und Venezuela waren schon seit einigen Jahren recht spannungsgeladen. Nun sorgte US-Präsident Donald Trump zum Jahresbeginn 2026 mit einem politischen Paukenschlag. Unter dem Namen "Operation Absolute Resolve" (deutsch: "unbedingte Entschlossenheit") wurden der venezolanische Präsident Nicolás Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores in die Vereinigten Staaten entführt. Der Vorwurf: Organisierter Drogenhandel. Kritiker sehen darin jedoch einen Verstoß gegen das Völkerrecht.
Bereits in den vergangenen Monaten hatte US-Präsident Trump der venezolanischen Regierung wiederholt vorgeworfen, einen "Narco-Staat" zu führen und die Präsidentschaftswahlen 2024 manipuliert zu haben. In diesem Zusammenhang wird der Begriff des sogenannten "Sonnenkartells" verwendet, wonach Gruppen innerhalb der venezolanischen Streitkräfte mit Kokain handeln sollen. Ob die Vorwürfe tatsächlich zutreffen, muss nun ein US-Gericht in New York entscheiden. Die strategischen Gründe liegen vielmehr auf der Hand - gilt Venezuela als das Land mit den größten Erdölreserven der Welt. Mit rund 303 Milliarden Barrel verfügt der südamerikanische Staat über rund 17 Prozent der globalen Reserven.
- ARD Tagesschau: Nach US-Angriff auf Venezuela - Was droht Kuba?
Kritiker sehen in dem Vorgehen der USA jedenfalls einen klaren Verstoß gegen das Völkerrecht. So dürften die Staaten "Gewalt gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit anderer Staaten nicht androhen oder einsetzen", sagte Ravina Shamdasani, die Sprecherin der UN-Menschenrechtskommission, vor Journalisten in Genf. Auch in der Fachwelt scheint die Einschätzung einhellig zu sein: ""Es verletzt zunächst und vor allem ein Grundprinzip der UN-Charta, das Gewaltverbot", konstatiert Holger Hestermeyer von der Diplomatischen Akademie Wien Internationales Recht und EU-Recht gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa).
Blickt man allerdings auf die US-Außenpolitik der vergangenen Jahrzehnte, sind militärische Eingriffe in den Ländern Mittel- und Südamerikas nicht ungewöhnlich. So wurde Mexiko während des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges von 1846 teilweise durch die USA erobert. Ein Angriff auf Panama im Jahr 1989 hatte das Ziel, den Machthaber General Manuel Noriega zu stürzen. Kuba wurde 1898 während des Spanisch-Amerikanischen Krieges von US-Streitkräften überfallen und besetzt. 1961 war es der Schauplatz der Invasion in der Schweinebucht, die von den USA unterstützt wurde. In den 1970er-Jahren unterstützten die USA außerdem die "Operation Condor", eine regionale Kampagne koordinierter politischer Repression gegen linke politische und oppositionelle Kräfte.
Quelle: Statista
Die außenpolitische Grundlage dafür reicht bereits rund 200 Jahre zurück: So formulierte die Monroe-Doktrin vom 2. Dezember 1823 den amerikanischen Kontinent faktisch als "Hinterhof" der USA. Diese Sichtweise wurde mit der Donroe-Doktrin des amtierenden US-Präsidenten erneuert. Venezuela könnte jedenfalls nur ein erster Schritt gewesen sein, die wirtschaftlichen Interessen der USA im Ausland notfalls auch militärisch durchzusetzen.
"Ich habe sehr deutlich gemacht, wo das Königreich Dänemark steht, und Grönland hat wiederholt erklärt, dass es nicht Teil der Vereinigten Staaten werden möchte. Leider fürchte ich, dass man den amerikanischen Präsidenten ernst nehmen sollte, wenn er sagt, er will Grönland."
Mette Frederiksen, Ministerpräsidentin von Dänemark (seit 2019)
So hat Trump bereits vor einigen Monaten ein Auge auf Grönland geworfen: "Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit, Dänemark ist nicht in der Lage das zu leisten", hatte er unlängst öffentlich verlautet. Dabei verfügt die Insel über zahlreiche Bodenschätzen - darunter strategisch kritische Rohstoffe wie Uran, Erdöl und Erdgas sowie die beiden weltweit größten bekannten Lagerstätten Seltener Erden. Hinzu kommen Nickel, Kupfer, Gold und Grafit.
In einer gemeinsamen Erklärung haben sich allerdings nun sieben europäische Länder mit der Arktisinsel solidarisiert. "Grönland gehört seinem Volk", heißt es in der Stellungnahme, die auch von Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichnet wurde. Ob sich Trump davon beirren lässt, scheint derzeit hingegen wenig wahrscheinlich. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnte bereits vor einem Ende des nordatlantischen Militärbündnisses: "Ich sage es ganz direkt: Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, dann war's das. Dann ist es vorbei mit der Weltordnung, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgebaut worden ist, vorbei mit den demokratischen Spielregeln. Alles fällt in sich zusammen, wenn ein NATO-Land ein anderes angreift."
Weitere Informationen
- Wikipedia über die Militärinterventionen der Vereinigten Staaten von Amerika (USA)




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