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Wissenswertes aus aller Welt

Wissen aus aller Welt

In den folgenden Rubriken finden Sie einige wissenswerte Informationen aus den Bereichen Politik, Geschichte und Geographie. Es besteht allerdings kein Anspruch auf Aktualität und Vollständigkeit.

Für viele Menschen ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia heute eine wichtige Quelle, um sich in den digitalen Medien über Dinge und Sachverhalte zu informieren. Auch im Jahr 2023 wurde die deutsche Wikipedia-Seite häufig aufgerufen. Spitzenreiter war demnach der Nekrolog 2023, gefolgt von Deutschland und dem deutschen Historienfilm "Oppenheimer"

Zudem waren die geopolitischen Dauerkonflikte wie der russische Überfall auf die Ukraine und den aktuellen Konflikt zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen von starkem Interesse bei den deutschsprachigen Userinnen und Usern.

Quelle: Statista

Brandenburger Tor. Quelle: Bild von Brigitte makes custom works from your photos, thanks a lot auf Pixabay

Deutschland: Politisches und wirtschaftliches Schwergewicht in der Mitte Europa

Die Bundesrepublik Deutschland liegt im Herzen Mitteleuropas. Das bevölkerungsreichste Land Europas ist seit 1990 wiedervereinigt und ist von kultureller Vielfältigkeit sowie regionalen Besonderheiten geprägt. Die 16 Bundesländer sind aus mehr als doppelt so vielen Königreichen, Fürstentümern und Residenzstädten hervorgegangen. Die deutsche Bundeshauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt ist Berlin. Weitere Metropolen sind Hamburg, München und Köln.

Der größte Ballungsraum ist das Ruhrgebiet. Dabei ist die Metropole Frankfurt am Main als Finanzzentrum international von Bedeutung. In Deutschland gibt es ein überaus reiches kulturelles Erbe. Bei der UNESCO sind derzeit 52 Beiträge zum Weltkulturerbe verzeichnet - vom Aachener Dom über das Mittelrheintal bis hin zum Limes. Wirtschaftlich gehört Deutschland neben China, den USA und Japan zu den größten Volkswirtschaften der Welt.

Wappen der 16 Bundesländer. (Quelle: Adobe Stock)

Die Bundesrepublik entstand mit der Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 aus dem Zusammenschluss der westlichen Besatzungszonen - der Trizone. Mit dem Besatzungsstatut vom 21. September 1949 räumten die Besatzungsmächte der Bundesrepublik mit dem alliierten Vorbehaltsrecht jedoch nur eine begrenzte Souveränität ein. Hauptstadt des Landes wurde Bonn. Politisch war der westdeutsche Teilstaat vor allem von der Westintegration Konrad Adenauers und der Ostpolitik Willy Brandts geprägt. Wirtschaftlich und gesellschaftlich waren besonders das Wirtschaftswunder, der RAF-Terror und die Friedensbewegung für die Bundesrepublik prägend.

Völkerrechtlich ist die Bundesrepublik der Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches, welches zwischen 1871 und 1945 existierte. Dabei wird in diesem Zeitraum zwischen drei Perioden unterschieden: Das monarchistische Deutsche Kaiserreich (1871-1918), die demokratisch-republikanische Weimarer Republik (1918/19-1933) sowie die Diktatur des NS-Staates in der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945). Der erste deutsche Nationalstaat in der Geschichte entstand mit der Reichsgründung im Jahr 1871. Nach dem Zusammenbruch der NS-Diktatur im Mai 1945 stand Deutschland bis 1949 unter der Besatzung der vier alliierten Siegermächte.

Bereits wenige Wochen nach Konstituierung der Bundesrepublik wurde am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet. Der neue ostdeutsche Staat umfasste das Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und definierte sich vielmehr als sozialistischer Arbeiter- und Bauernstaat. So beharrte die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) zwar mit Hilfe des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) auf ihre politische Führungsrolle. Faktisch war die DDR jedoch ein Satellitenstaat der Sowjetunion. Wirtschaftlich war die DDR zudem planwirtschaftlich auf der Grundlage von Fünfjahresplänen organisiert. Ihr Ende fand sie nach der Wende mit dem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990.

Kurzinformation: Die größten Städte in Deutschland

Als Großstadt gilt in Deutschland eine Kommune mit mindestens 100.000 Einwohnern. Dieses Kriterium gilt derzeit für insgesamt 82 Städte (Stand: 2022) in der Bundesrepublik. Davon liegen 30 (37 Prozent) in Nordrhein-Westfalen liegen, neun Großstädte (elf Prozent) liegen in Baden-Württemberg, je acht (zehn Prozent) in Bayern und Niedersachsen, sechs in Hessen, fünf in Rheinland-Pfalz und drei in Sachsen. In den übrigen Bundesländern liegen jeweils nur ein oder zwei Großstädte.

Zudem gibt es derzeit vier Städte mit mindestens einer Million Einwohnern: Berlin, Hamburg, München und Köln. Die Domstadt hat diesen Status seit 2010. Weitere elf Städte haben mindestens 500.000 Einwohner. An der Spitze liegt derzeit Frankfurt am Main, gefolgt von StuttgartDüsseldorfLeipzigDortmundEssenDresdenHannover und Nürnberg.

Derzeit ist die Bundeshauptstadt Berlin die mir Abstand größte Stadt in Deutschland. Laut Statistischem Bundesamt lebten dort 2022 etwa 3,8 Millionen Menschen und damit etwa doppelt so viele wie in Hamburg (1,9 Millionen Einwohner). Dennoch ist Berlin noch lange nicht wieder zu zurück zu seiner früheren Größe. In der Zeit vor dem Krieg registrierte das Einwohnermeldeamt mehr als vier Millionen Einwohner. Allerdings führten Zerstörung und Flucht schließlich zu einem immensen Aderlass.

Quelle: Statista auf Youtube

Auswärtiges Amt in Berlin (Quelle: Achim Wagner - stock.adobe.com)

Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) stand die deutsche Außenpolitik vor allem im Zeichen der eingeschränkten Souveränität und Eigenstaatlichkeit. So lehnte sich die Bundesrepublik in den 1950er- und 1960er-Jahren an den alliierten Westmächten an. 

Wesentliche außenpolitische Meilensteine waren der Beitritt zur EGKS 1951 sowie zum Nordatlantikpakt (NATO) im Jahr 1955. Zwei Jahre später - am 25. März 1957 - unterzeichnete die Bundesrepublik Deutschland gemeinsam mit Frankreich, Italien und den Benelux-Staaten die Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), aus der die Europäische Union (EU) hervorgehen sollte (Westintegration). 

Ein weiterer Meilenstein waren zudem die deutsch-französischen Aussöhnung sowie die Unterzeichnung des Élysée-Vertrages am 22. Januar 1963. Die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen mit den Ostblockstaaten wurde indes durch das Dogma der Hallstein-Doktrin versperrt. Lediglich mit der Sowjetunion nahm die Bundesrepublik im September 1955 offizielle Beziehungen auf.

Erst mit der sozialliberalen Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt (1969-1974) kam es zu einem Ausgleich mit Polen, der Tschechoslowakei und anderen osteuropäischen Staaten. Durch die Ostverträge mit der UdSSR (12. August 1970) und Polen (7. Dezember 1970) wurden wichtige Abkommen zum Verhältnis mit den östlichen Nachbarländern geschlossen (Neue Ostpolitik).

Zudem wurden die bilateralen Beziehungen zur Deutschen Demokratischen Republik (DDR) auf eine neue Grundlage zu stellen. So wurde am 3. September 1971 das Vier-Mächte-Abkommen über Deutschland und Berlin geschlossen, welches den Status Berlins klären sollte. Außerdem wurde am 21. Dezember 1972 der Grundlagenvertrag unterzeichnet, indem die DDR den Transitverkehr für für West-Berlin garantierte.

Gleichzeitig war die Außenpolitik der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) von ihrer engen Anlehnung an den Ostblock geprägt. Wichtigster außenpolitischer Partner der DDR war die UdSSR, die als Schutzmacht und wichtigster Handels- und Wirtschaftspartner fungierte, weshalb die DDR auch als Satellitenstaat bezeichnet wurde. Über den Warschauer Pakt sowie den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe blieb der ostdeutsche Staat eng an die anderen realsozialistischen Staaten angebunden. Am 18. September 1973 trat die DDR gemeinsam mit der Bundesrepublik als 133. und 134. Mitgliedstaat den Vereinten Nationen bei. Seit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 ist das vereinte Deutschland in der UNO vertreten.

Beziehungen zwischen Deutschland und China. (Quelle: Adobe Stock)

Die Beziehungen zwischen Deutschland und China

Die bilateralen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und China reichen bereits bis ins 19. Jahrhundert zurück. Mit der schnellen Industrialisierung Deutschlands in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahmen auch die deutschen Handelsinteressen in China zu. Bereits 1890 wurde die Deutsch-Asiatische Bank mit dem Zweck gegründet, die deutsche Investitionen in China zu finanzieren. Unter Kaiser Wilhelm II. (1888-1918) nahm die deutsche Außenpolitik gegenüber China jedoch eine aggressivere Richtung ein. So beteiligten sich deutsche Truppen an der Niederschlagung des Boxeraufstandes 1900 teil. Dabei wurde der deutsche Monarch vor allem für seine "Hunnenrede" am 27. April 1900 berüchtigt.

"Kommt ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen! Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen! Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in Überlieferung und Märchen gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, dass es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!"

Wilhelm II. (1888-1918), deutscher Kaiser und König von Preußen, in der "Hunnenrede"

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) kam es zunächst aus ideologischen Gründen zu einer Annäherung zwischen der neu gegründeten DDR und der Volksrepublik. Bereits im Oktober 1949 nahmen die beiden "Bruderstaaten" diplomatische Beziehungen auf. In der Bundesrepublik wurde die Volksrepublik zunächst nicht offiziell anerkannt.

Heute ist China ein zentraler Warenhandelspartner Deutschlands. So liegt China zwar beim Gesamthandel der Bundesrepublik weiterhin an erster Position. Nach Berechnungen des German Trade & Invest (GTAI) hat sich der Abstand zu den USA jedoch deutlich verringert. So summierten sich die deutschen Ex- und Importe mit China 2023 auf rund 254 Milliarden Euro. Im Vorjahr 2022 seien zwischen Deutschland und China noch Waren im Wert von nahezu 300 Milliarden Euro gehandelt worden.

Quelle: Statista

Laut GTAI waren vor allem die Importe aus China waren zuletzt rückläufig, aber auch die Exporte nach China haben leicht nachgegeben. Wesentliche Gründe sehen nach Ansicht der Ökonomen neben der wirtschaftlichen Erholung in den USA auch die Immobilienkrise in China, die geopolitischen Verstimmungen im Verhältnis zu den USA und der EU sowie schwächelnde Industrieinvestitionen.

Zudem habe sich die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von China im letzten Jahr deutlich verringert. Nach den Berechnungen des GTAI ist das Handelsdefizit von rund 51 Milliarden Euro deutlich geringer ausgefallen als im Jahr 2022 (minus 86,1 Milliarden Euro). Zudem wird nicht erst seit der geplanten Cosco-Beteiligung am Hamburger Hafen darüber diskutiert, ob und wie die deutsche Wirtschaft ihre hohe Abhängigkeit von China reduzieren soll.

Quelle: Statista

Allerdings ist China sowohl für die Bundesrepublik als auch die Europäische Union (EU) nicht mehr nur politischer Partner, sondern auch ein wirtschaftlicher Wettbewerber und systemischer Rivale. Neben gemeinsamen Interessen gibt es allerdings viele Konfliktlinien, die vor allem in der innen- und außenpolitischen Entwicklungen des ostasiatischen Landes begründet sind. 

So steht China unter anderem wegen der Missachtung von Menschen- und Freiheitsrechten in der Kritik. Im Fokus stehen dabei vor allem der Umgang mit der ethnischen Minderheit der Uiguren in Xinjiang, die Lage in Tibet, der Umgang mit den Protesten in Hongkong sowie das Verhältnis zwischen China ("Ein-China-Politik") und Taiwan (Taiwan-Politik).

Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. (Quelle: Adobe Stock)

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich

Die deutsch-französischen Beziehungen reichen bereits bis ins 9. Jahrhundert zurück. So sind die beiden deutschen Staaten aus dem Fränkischen Reich von Karl dem Großen (768-814) hervorgegangen. Nach der Teilung wurde aus seinem östlichen Teil (Ostfrankenreich) das mittelalterliche Heilige Römische Reich Deutscher Nation sowie aus dem westlichen Teil (Westfrankenreich) das heutige Frankreich. Das Mittelreich von Lothar I. (843-855) - dem Ursprung des späteren Lothringen - wurde später zwischen den beiden Staaten aufgeteilt. 

In den darauffolgenden Jahrhunderten war der Streit um diese Gebiete für die sogenannte Deutsch-französische Erbfeindschaft, die bis ins 20. Jahrhundert andauerte. So führte unter anderem der habsburgisch-französische Gegensatz wiederholt zu politischen Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen - zum Beispiel im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697), im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1703) und den ersten beiden Schlesischen Kriegen (1740-1745).

Später wurde dieser Konflikt durch den französisch-preußischen Gegensatz geprägt. Dieser mündete im Zuge der deutschen Reichsgründung im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71). Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) kam es an der Westfront zu einem erbitterten Stellungskrieg, der auf beiden Seiten mehrere Millionen Tote forderte. Vor allem die Schlacht um Verdun im Jahr 1916 wurde zu einem Symbol für die Schrecken des Krieges. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) fand die "Erbfeindschaft" zwischen den beiden europäischen Nachbarländern schließlich ihr Ende. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Mai 1949 schlug Bundeskanzler Konrad Adenauer außenpolitisch einen klaren Kurs der Westintegration ein.

Kurzinformation: Der Deutsch-Französische Freundschaftsvertrag (Élysée-Vertrag)

Der Deutsch-Französische Freundschaftsvertrag - auch Élysée-Vertrag genannt - wurde am 22. Januar 1963 von Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle im Élysée-Palast von Paris unterzeichnet. Dieser sollte beide Staaten nach jahrhundertelanger "Erbfeindschaft" und verlustreichen Kriegen wieder zusammenführen. Demnach sind beide Regierungen zu Konsultationen in allen wichtigen Fragen der Außen-, Sicherheits-, Jugend- und Kulturpolitik verpflichtet. Zudem wurden regelmäßige Treffen auf Regierungsebene vereinbart.

Der Vertrag trat am 2. Juli 1963 in Kraft. Drei Tage später - am 5. Juli 1963 - wurde zudem das Gründungsabkommen für das Deutsch-Französische Jugendwerk unterzeichnet. In der Folgezeit entstanden zahlreiche Städtepartnerschaften sowie Partnerschaften zwischen Schulen und Vereinen. 1988 riefen Bundeskanzler Helmut Kohl sowie der französische Staatspräsident François Mitterrand einen Rat zur Wirtschafts-, Finanz- und Währungspolitik sowie einen Deutsch-Französischen Verteidigungs- und Sicherheitsrat ins Leben.

Für eine kurzzeitige Verstimmung sorgte jedoch eine Präambel, die dem Vertrag von deutscher Seite vor der Ratifizierung hinzugefügt wurde. Darin erklärte die deutsche Seite ihren Willen zur Aufnahme Großbritanniens in die EWG und ihre enge Anbindung an die Vereinigten Staaten von Amerika. Die französische Regierung wollte mit dem Vertrag die Position Europas gegenüber den USA stärken.

Dabei bemühte sich der deutsche Regierungschef auch um eine Aussöhnung mit Frankreich. Am 22. Januar 1963 unterzeichneten die beiden europäischen Nachbarländer den sogenannten "Élysée-Vertrag": Der deutsch-französische Freundschaftsvertrag ist das erste große und zugleich grundlegende Abkommen zur deutsch-französischen Zusammenarbeit. Darin sollen die Konsultationen zur Koordination und gemeinsamen Planung aller wichtigen Fragen der Außen-, Sicherheits-, Jugend- und Kulturpolitik sichergestellt werden. Heute werden die zwei Nachbarn in den Medien auch häufig auch als "Motor" der europäischen Einigung bezeichnet.

Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien (Quelle: Adobe Stock)

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien reichen bereits über mehrere Jahrhunderte zurück. Im Mittelalter konzentrierte sich das Verhältnis zwischen beiden Seiten vor allem auf einen wirtschaftlichen Austausch. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die deutschen Staaten und das Vereinigte Königreich in den Koalitionskriegen (1792-1815) oftmals Verbündete.

Mit der deutschen Reichsgründung im Januar 1871 verschlechterte sich das deutsch-britische Verhältnis, da das Vereinigte Königreich vor allem das angestrebte "Gleichgewicht der Kräfte" in Kontinentaleuropa gefährdet sah. Besonders in den beiden Weltkriegen (1914-1918 und 1939-1945) standen sich Deutschland und Großbritannien als unversöhnliche Gegner gegenüber. Allerdings konnte auch die Friedenszeit nach 1945 die britischen Bedenken gegenüber den Deutschen nicht gänzlich ausräumen.

Vor allem das Bild der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher (1979-1990) über einen schlechten Nationalcharakter der Deutschen, welches durch den deutsch-britischen Gegensatz des 19. und 20. Jahrhunderts und den Nationalsozialismus geprägt war, sorgte für eine Belastung der bilateralen Beziehungen ("Chequers-Affäre"). Erst nach der deutschen Wiedervereinigung 1989/90 scheint sich das Deutschland-Bild der Briten langsam zu ändern.

Nicht zu vergessen, dass auch das britische Königshaus auf deutsche Wurzeln zurückblickt. So bestand zwischen 1714 und 1837 eine Personalunion zwischen Großbritannien sowie dem deutschen Königreich Hannover. Demnach war der Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg bzw. König von Hannover gleichzeitig auch das Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreiches. 

Mit der Thronbesteigung von Königin Victoria (1837-1901) endete jedoch die Personalunion, da in Hannover gemäß dem salischen Erbfolgerrecht nur die männliche Thronfolge erlaubt war. 1840 heiratete die britische Monarchin mit Albert (1819-1961) einen deutschen Prinzen aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha

Beziehungen zwischen Deutschland und Israel (Quelle: Adobe Stock)

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel

Die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sind besonders heikel und zeitweise auch kompliziert. So entstanden die "besonderen Beziehungen" vor dem Hintergrund des Holocaust durch das nationalsozialistische Deutschland. Nach langen politischen Debatten unterzeichneten beide Staaten sowie der Jewish Claims Conference (JCC)  am 10. September 1952 das Luxemburger Abkommen

Die völkerrechtliche Vereinbarung regelte Güterlieferungen und Zahlungen der Bundesrepublik an Israel im Wert von 3,5 Milliarden D-Mark über einen Zeitraum von 14 Jahren. Dabei waren drei Milliarden D-Mark für den Staat Israel, 450 Millionen D-Mark für die außerhalb Israels wohnenden vertriebenen Juden sowie 50 Millionen D-Mark für Juden, die keiner Gemeinschaft angehörten.

Zudem war Deutschland zwischen 1956 und 1967 ein bedeutender Lieferant von militärischer Ausrüstung und Waffen nach Israel. Außerdem ist die Bundesrepublik der größte Handelspartner Israels in Europa sowie der drittwichtigste Handelspartner nach den USA und der Volksrepublik China.

Politisch dauerte es allerdings noch einige Jahre bis zur Aufnahme offizieller Beziehungen. Am 14. März 1960 zu einem ersten Treffen desisraelischen Premierminister David Ben-Gurion und deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer im Hotel Waldorf Astoria in New York. Erst fünf Jahre später - am 12. Mai 1965 - nahmen die Bundesrepublik und Israel offizielle diplomatische Beziehungen auf. Eine Belastungsprobe der bilateralen Beziehungen war jedoch die gescheiterte Befreiungsaktion nach dem Münchner Olympia-Attentat im September 1972.

Quelle: Terra X History auf Youtube

Bereits 1966 wurde in Bonn die Deutsch-Israelische Gesellschaft gegründet: Die Aufgabe des Vereins ist laut Satzung, "die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel in allen Fragen des öffentlichen und kulturellen Lebens zu vertiefen. Die Gesellschaft dient der Förderung internationaler Verbundenheit, der Toleranz und der Verständigung der Völker, insbesondere im Nahen Osten."

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Japan

Zwischen Deutschland und Japan sind die Beziehungen traditionell freundschaftlich. Deren Wurzeln reichen bereits bis ins 17. Jahrhundert zurück, als die ersten Deutschen im Dienste der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) auf den Inselstaat kamen. Die ersten offiziellen Beziehungen zwischen einem deutschen Staat und dem Kaiserreich wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geknüpft: Am 24. Januar 1861 schloss Preußen einen Handels-, Freundschafts- und Schifffahrtsvertrag mit Japan.

In den 1930er-Jahren entwickelte sich das Japanische Kaiserreich zu einem wichtigen Alliierten des nationalsozialistischen Deutschlands. 1936 schlossen die beiden Länder den sogenannten "Antikominternpakt", dem sich in den folgenden Jahren weitere Staaten anschlossen. Am 27. September 1940 unterzeichneten Deutschland, Japan und Italien den "Dreimächtepakt", der zwei Jahre später durch eine militärische Allianz ergänzt wurde. Allerdings kam es bis zum Kriegsende zu keiner nennenswerten Kooperation - ebenso wenig zu militärischen Operationen.

Nach dem Kriegsende wurden die bilateralen Beziehungen wieder weitgehend normalisiert. 1955 erfolgte die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Japan und der Bundesrepublik - mit der DDR erfolgte die Aufnahme offizieller Beziehungen im Jahr 1973. Heute ist der ostasiatische Inselstaat ein wichtiger Handelspartner für Deutschland. So gilt Japan als einer der wichtigsten Exporteure für Elektronik- und Unterhaltungsprodukte wie Computerspiele für Deutschland. Die Bundesrepublik exportiert hingegen vor allem Luxus-Kraftfahrzeuge und andere Maschinenbau-Leistungen nach Japan.

Die Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA)

Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA haben sich bereits im 17. Jahrhundert durch die Auswanderung von Deutschen in die "Neue Welt" entwickelt. Bis ins 20. Jahrhundert wurden das bilaterale Verhältnis vor allem durch Fragen der Migration und der Wirtschaft geprägt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) setzen die US-amerikanische Politik in ihrer Besatzungszone vor allem auf Entnazifizierungsprogramme, sowie auf die Wiederzulassung demokratischer Institutionen und den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft für friedliche Zwecke.

Zudem legte der US-Außenminister George C. Marshall am 5. Juni 1947 den Grundstein zu einem europäischen Wiederaufbauprogramm. Sein Marshallplan schuf im Kern die wichtigsten Rahmenbedingungen für den Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg und sicherte in der Folge dessen politische Stabilität und wirtschaftlichen Wohlstand. Zudem wurden die USA in den kommenden Jahrzehnten der wichtigste politische und wirtschaftliche Partner der neu gegründeten Bundesrepublik. Zudem blieb die Souveränität des westdeutschen Staates durch die alliierten Vorbehaltsrechte bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 weiter eingeschränkt.

Quelle: Adobe Stock

Weitere wichtige außenpolitische Partner

Beziehungen mit Indien

Die bilateralen Beziehungen zwischen Indien und Deutschland werden heute als traditionell stark und freundschaftlich bezeichnet. So beschäftigen sich deutsche Wissenschaftler bereits mindestens seit dem 17. Jahrhundert mit der indischen Kultur. Berühmte Vertreter der frühen deutschen Indologie waren Heinrich Roth, Wilhelm von Humboldt, Friedrich Schlegel, dessen Bruder August Wilhelm Schlegel, Friedrich Rückert und Franz Bopp. Heute ist Deutschland der wichtigste Handelspartner Indiens in Deutschland - weltweit steht die Bundesrepublik an der fünften Stelle. Zudem streben beide Länder einen permanenten Sitz im UN-Sicherheitsrat an.

Beziehungen mit Italien

Die Beziehungen mit Italien reichen bis in die römische Zeit zurück. So gehörten große Teile der heutigen Nationalstaaten bereits im 8. und 9. Jahrhundert zum Frankenreich. In den 1930er-Jahren bildeten das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien ein enges politisches und militärisches Bündnis. 1936 entstand schließlich die "Achse Berlin-Rom", die später um das Kaiserreich Japan und weitere Länder ergänzt wurde.

Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 blieben beide Länder bis heute in freundschaftlichen Beziehungen miteinander verbunden. Zudem ist die Gemeinschaft der Italiener in Deutschland heute eine der größten und ältesten Zuwanderergemeinden in Deutschland. Derzeit sind 587.167 italienische Staatsangehörige (Stand: 2020) in Deutschland gemeldet. Die größte italienische Gemeinschaft befindet sich in Berlin.

Beziehungen mit Namibia

Die Beziehungen zu Namibia sind heute von besonderer Bedeutung. Im 19. Jahrhundert wurde der heutige afrikanische Staat als Deutsch-Südwestafrika eine Kolonie des Deutschen Reiches. Noch heute belastet der Völkermord an den Herero und Nama zwischen 1904 und 1908 das Verhältnis zwischen den beiden Ländern, bei dem bis zu 100.000 Herero und Nama getötet wurden. Erst nach 100 Jahren erkannte die damalige deutsche Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) die historische und moralische Verantwortung Deutschlands für den Völkermord an den Herero und Nama an.

Im Mai 2021 wurde eine Einigung erzielt, in der Deutschland die Gräueltaten an den Herero und Nama als Völkermord anerkennt. Dabei sagte die Bundesregierung rund 1,1 Milliarden Euro zu, die binnen 30 Jahren für Infrastruktur und Entwicklung in Namibia ausgegeben sollen. Allerdings sollen die zugesagten Zahlungen keine Reparationsleistungen umfassen.

Beziehungen mit Russland

Die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland waren in den vergangenen Jahrhunderten wiederholt von Kooperationen und Allianzen, aber auch von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt. Dabei reichen die Beziehungen zwischen den beiden Staaten bereits weit in die Geschichte der beiden Völker zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die damalige Sowjetunion zu den vier Siegermächten. Im Oktober 1949 entstand aus der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) die Deutsche Demokratische Republik (DDR), die bis zu ihrem Ende 1990 den Status eines Satellitenstaates mit der UdSSR einnahm.

Nach der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 arbeiteten Deutschland und Russland zeitweise im Rahmen einer strategischen Partnerschaft zusammen. Seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim und dem Beginn des Ukraine-Kriegs 2014 durch Russland sind die Beziehungen angespannt. Mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022 haben sich die Beziehungen weiter verschlechtert.

Beziehungen mit Südafrika

Zwischen den Staaten Deutschland und Südafrika besteht heute ein enger wirtschaftlicher, kultureller und diplomatischer Austausch. Nach Aussage des Auswärtigen Amtes gilt das Land am Kap "Deutschlands wichtigster Partner in Afrika südlich der Sahara". Mit der deutschen Wiedervereinigung und dem Ende der Apartheid haben sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern weiter intensiviert.  Die diplomatischen Beziehungen reichen bereits bis ins 19. Jahrhundert zurück. Heute ist Deutschland der wichtigste Handelspartner für Südafrika.

Beziehungen mit Tschechien

Die Beziehungen mit dem Nachbarland Tschechien sind bis heute von einer besonderen historischen Bedeutung. Neben den Folgen des Münchener Abkommens 1938 sowie der "Zerschlagung der Rest-Tschechei" durch das nationalsozialistische Deutschland kam es nach dem Kriegsende 1945 zu einer Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei. Die rechtliche Grundlage bildeten dafür die sogenannten "Beneš-Dekrete" von 1946.

Weitere besondere Beziehungen

Die Neiße. Quelle: Bild von Sabine Bends auf Pixabay

Die Oder-Neiße-Linie als Grenzlinie

Seit 1945 bilden die Flüsse Oder und Neiße die gemeinsame Staatsgrenze von Deutschland und Polen. Am 2. August 1945 verständigten sich die Siegermächte im Potsdamer Abkommen auf den Grenzverlauf mit der damaligen Volksrepublik Polen. Dadurch wurde faktisch ein Viertel des deutschen Staatsgebietes in den Grenzen von 1937 unter polnische und sowjetische Verwaltung gestellt.

Die DDR erkannte bereits mit dem Görlitzer Abkommen vom 6. Juli 1950 die Oder-Neiße-Linie als deutsch-polnischen Grenzverlauf an. Die Bundesrepublik Deutschland erkannte die Oder-Neiße-Linie erst mit dem Warschauer Vertrag vom 7. Dezember 1970 an - allerdings vorbehaltlich einer Änderung im Rahmen einer Friedensregelung. 

Erst nach der deutschen Wiedervereinigung 1989/90 wurde die Oder-Neiße-Grenze im sogenannten Zwei-plus-Vier-Vertrag sowie im deutsch-polnischen Grenzvertrag vom 14. November 1990 endgültig als rechtmäßige Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen anerkannt. Zudem gab Deutschland alle Ansprüche auf die ehemaligen Ostgebiete endgültig auf.

Monumentale Denkmäler aus der Zeit des Deutschen Kaiserreichs

Bereits vor der Gründung des Deutschen Kaiserreiches im Jahre 1871 suchten national gesinnte Kreise nach Orten und Figuren, um sich selbst des noch zersplitterten Vaterlandes zu vergewissern. Der Sieg Deutschlands im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) und die deutsche Reichsgründung am 18. Januar 1871 mit dem folgenden wirtschaftlichen Aufschwung förderten das Bedürfnis nach nationalistischem Pomp und Gloria weiter. Die wichtigsten deutschen Monumentaldenkmäler aus dieser Epoche im Überblick:

  • Mit einer Höhe von 91 Metern gilt das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig als eines der größten Denkmäler Europas. Es wurde von 1893 bis 1913 durch Spenden errichtet und erinnert an die Völkerschlacht von Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813. Die plastischen Arbeiten wurden von den Bildhauern Christian Behrens (1852-1905) und Franz Metzner (1870-1919) gestaltet.
  • Das Hermannsdenkmal wurde zwischen 1838 und 1875 nach Entwürfen des deutschen Architekten und Bildhauers Ernst von Bandel (1800-1876) errichtet. Es erinnert an den Sieg des Cheruskerfürsten Arminius über die römischen Legionen unter dem römischen Statthalter Publius Q. Varus in der Schlacht im Teutoburger Wald.
  • Mit dem Kyffhäuserdenkmal auf der Kuppe des Kyffhäuserberges in Thüringen wurde der Mythos um den Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) bemüht, der angeblich im Innern des Berges auf die Einheit wartet. Errichtet wurde es zwischen 1890 und 1896 zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. (1871-1888). Zudem gilt es heute als drittgrößtes Denkmal Deutschlands.
  • Bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstand der Herkules. Das Bauwerk diente vor allem der Belustigung und Selbstdarstellung von Landgraf Karl von Hessen-Kassel (1670-1730). Heute gilt das Bauwerk als Wahrzeichen der Stadt Kassel.
  • Die Walhalla bei Donaustauf wurde zwischen 1830 und 1842 im Auftrag des bayerischen Königs Ludwig I. (1825-1848) errichtet. In der neo-klassizistischen Ruhmeshalle werden mit Büsten und Namenstafeln bedeutende deutsche Persönlichkeiten geehrt. Heute wird mit 132 Büsten und 64 Gedenktafeln an 195 Personen, Taten und Gruppen erinnert; zwölf der Geehrten sind Frauen. Die Walhalla ist Eigentum des Freistaates Bayern.
  • Die Ruhmeshalle wurde von 1843 bis 1853 von Leo von Klenze (1784-1864) im Auftrag  von König Ludwig I. von Bayern (1825-1848) an der Theresienwiese in der bayerischen Landeshauptstadt München errichtet. Das klassizistische Gebäude ist bedeutenden Persönlichkeiten der bayerischen Geschichte gewidmet. Sie bildet zudem ein Ensemble mit der Bavaria.

Helgoland - Deutschlands einzige Hochseeinsel

Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland liegt rund 70 Kilometer vom Festland entfernt in der Deutschen Bucht und gehört zum Bundesland Schleswig-Holstein. Die Hauptinsel aus Sandstein ist etwa einen Quadratkilometer groß und ragt bis zu 61 Meter aus dem Meer. Daneben liegt eine etwa 700.000 Quadratmetern große Düne mit Badestränden, die im Jahre 1720 bei einer Sturmflut abgetrennt wurde.

Wegen ihrer Lage und Natur ist die Insel in der Nordsee ein beliebtes Ausflugsziel: Allein im Jahre 2023 kamen rund 297.000 Tages- und Übernachtungsgäste nach Helgoland. Zu den tierischen Attraktionen zählen Seehunde und KegelrobbenTrottellummen sowie zahlreiche Zugvögel. Für die 1.253 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2022) ist der Tourismus daher die wichtigste Einnahmequelle.

Helgoland blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück: Im 7. Jahrhundert wurde die Insel von den Friesen besiedelt. Im Jahre 1402 fiel Helgoland an das Herzogtum Schleswig, später an Dänemark und Großbritannien. Mit dem Helgoland-Sansibar-Vertrag von 1890 fiel die Insel an das Deutsche Reich. Am 18. April 1945 wurde Helgoland das Ziel eines britischen Luftangriffs, bei dem fast alle überirdischen Bauten zerstört wurden - zwei Jahre später wurden auch die unterirdischen Militäranlagen gesprengt.

In der Folgezeit blieb die Insel zunächst ein britisches Sperrgebiet und diente der Royal Air Force als militärisches Übungsgebiet. Erst am 1. März 1952 wurde Helgoland wieder an die Bundesrepublik zurückgegeben - mit dem Wiederaufbau entwickelten sich der Fremdenverkehr und der Kurbetrieb zu wichtigen Wirtschaftszweigen. Heute ist die Insel zwar ein Teil des deutschen Wirtschaftsgebiets. Allerdings gehört die Nordsee-Insel weder zum Zollgebiet der Europäischen Union noch zum deutschen Steuergebiet.

Das Tor zur Welt: Der Hamburger Hafen

Der Hafen von Hamburg ist der offene Tidehafen der Freien und Hansestadt. Mit einer Fläche von etwa 7.200 Hektar ist er der größte Seehafen Deutschlands. Europaweit steht er nach Rotterdam und Antwerpen an dritter Stelle. In Hamburg kann nahezu jede Form von Waren umgeschlagen werden. Diverse Schifffahrtslinien verbinden ihn zudem mit etwa 900 Häfen in etwa 170 Ländern. Im Jahre 2023 wurden 114,3 Millionen Tonnen an Waren umgeschlagen, davon etwa zwei Drittel in Containern (76,9 Millionen Tonnen).

Das restliche Drittel entfällt auf Massengüter wie Kohle, Erz, Mineralöl oder Getreideprodukte. Neben dem Warenumschlag erfolgt im Hamburger Hafen die gewerbliche Verarbeitung, Lagerung und Veredelung von zumeist importierten Gütern. Er dient als Standort für die Mineralindustrie und gilt zunehmend als Anlauf für Kreuzfahrtschiffe. Der Schiffbau auf den Hamburger Werften ist seit den 1960er-Jahren jedoch stark rückläufig.

Die Ursprünge des Hamburger Hafens reichen bereits bis ins 9. Jahrhundert zurück. Als das offizielles Gründungsdatum gilt der 7. Mai 1189 als Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) den Hamburgern in einem Freibrief die Zollfreiheit für Hamburger Schiffe bis zur Elbmündung an der Nordsee gewährte. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Hafen mit zahlreichen Hafenbecken und Kaianlagen bis zu seiner heutigen Größe erweitert. Verwaltet wird er von der Hamburg Port Authority.

Der Hafen bietet 320 Liegeplätze für Seeschiffe an 35 Kilometer Kaimauer. Davon sind 38 Großschiffsliegeplätze für Container- und Massengutschiffe, 97 Liegeplätze an Dalben und 60 Landeanleger einschließlich der Fähranleger der HADAG Seetouristik und Fährdienst AG. Durch die Landflächen führen 137 Kilometer öffentliche Straßen, 156 Kilometer Uferstrecken und 314 Kilometer Hafenbahngleise. Es gibt drei Straßen- und Fußgängertunnel und 147 Brücken, davon 53 feste Eisenbahnbrücken, 52 feste Straßenbrücken, fünf Fußgängerbrücken, neun sonstige und elf bewegliche Brücken.

Im Jahre 2003 wurden zudem die Bauarbeiten für die HafenCity aufgenommen. Der Stadtteil im Hamburger Bezirk Hamburg-Mitte umfasst eine Gesamtfläche von rund 2,4 Quadratkilometern und gehörte ehemals zum Freihafen. Auf einer Fläche von 157 Hektar sollen hier bis Mitte der 2030er-Jahre Wohneinheiten für bis zu 14.000 Personen sowie etwa 3.000 Hotelzimmer und Arbeitsplätze für bis zu 45.000 Personen - vornehmlich im Bürosektor - entstehen. Außerdem ist es derzeit das flächengrößte laufende Stadtentwicklungsprojekt Hamburgs. 

Nordostsee-Kanal (Quelle: Bild von SofieLayla Thal auf Pixabay)

Der Nord-Ostsee-Kanal - ehemalige kaiserliche Wasserstraße

Der Nord-Ostsee-Kanal gehört zu den meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Er verbindet die Nordsee von der Elbmündung in Brunsbüttel mit der Ostsee in Kiel. Der Kanal ist rund 99 Kilometer lang, meist 162 Meter breit und rund elf Meter tief. Eröffnet wurde der Kanal nach achtjähriger Bauzeit im Jahre 1895 als Kaiser-Wilhelm-Kanal für die deutsche Kriegsflotte. Seine militärische Bedeutung hat der Kanal mittlerweile verloren.

Vielmehr vereinfacht er den Warenverkehr zwischen den Anrainerstaaten der Ostsee und dem Rest der Welt. Die Schiffe sparen durch den Kanal rund 250 Seemeilen. Ohne Kanal müssten sie über die Skagerrak-Meerenge zwischen der Südküste Norwegens und der dänischen Halbinsel Jütland fahren. Allein 2022 passierten 26.882 Schiffe mit einer Ladung von 82.254.167 Tonnen den Kanal - ohne Sport- und sonstige Schiffe. Weitere wichtige Wasserstraßen weltweit sind der Mittellandkanal, der Sueskanal oder der Panamakanal.

Das deutsche Segelschulschiff

Die "Gorch Fock" - das Segelschulschiff der deutschen Bundesmarine

Das legendäre Segelschulschiff "Gorch Fock" ist das älteste Schiff der deutschen Bundesmarine und gilt als Botschafterin Deutschlands auf den Weltmeeren. Sie wurde auf der Hamburger Werft Bohm & Voss gebaut und lief 1958 vom Stabel. Benannt ist das Schiff nach dem Schriftsteller Gorch Fock, der im Ersten Weltkrieg während der Skagerrak-Schlacht im Jahre 1916 mit der SMS Wiesbaden unterging. Der Dreimaster hat eine 85-köpfige Stammbesatzung sowie bis zu 138 junge Lehrgangsteilnehmer. In mehr als 50 Jahren wurden auf der "Gorch Fock" rund 14.500 Kadetten ausgebildet. 1989 kamen mit fünf Sanitätsoffiziersanwärterinnen erstmals Frauen an Bord.

Die "Gorch Fock" ist 89 Meter lang und zwölf Meter breit; der Tiefgang beträgt 5,25 Meter. Die Diesel-Antriebsanlage ermöglich eine Geschwindigkeit mit dem Motor von zwölf Knoten (etwa 23 Kilometer pro Stunde). Unter Segeln liegt die Höchstgeschwindigkeit bei rund 17 Knoten. Laut offizieller Statistik hat das Segelschulschiff bis Januar 2011 insgesamt 741.106 Seemeilen zurückgelegt. Dabei wurden bei 439 Hafenbesuchen 180 verschiedene Häfen angelaufen und über 60 Hoheitsgebiete auf allen Kontinenten besucht. Die "Gorch Fock" untersteht der Marineschule Mürwick bei Flensburg; ihr Heimathafen ist Kiel.

Das deutsche Traumschiff "MS Deutschland"

Die "MS Deutschland" wurde im Jahr 1998 in Dienst gestellt. Gebaut wurde das Schiff auf der Kieler Howaldtsche-Deutsche Werft AG. Sie bietet in knapp 300 Kabinen Platz für mehr als 450 Passagiere und 280 Besatzungsmitglieder. Für einen entsprechenden Luxus sorgen ein Kasino, Kino, Golf-Deck, ein Fitness- und Wellness-Bereich sowie mehrere Schwimmbäder.

Das Schiff ist 175 Meter lang und 23 Meter breit; es wird von vier Hauptmaschinen angetrieben und erreicht eine Leistung von 17.000 PS. Die Baukosten belaufen sich auf 215 Millionen D-Mark (etwa 110 Millionen Euro). Die Kiellegung erfolgte am 1. Dezember 1996. Der Stapellauf erfolgte am 16. Januar 1998.

Nach der Insolvenz der Reederei Peter Deilmann wurde das Schiff an ein US-Unternehmen verkauft. Unter ihrem neuen Namen "World Odyssey" fährt sie seit 19. Mai 2015 unter der Flagge der BahamasBis dahin war sie" das einzige deutsche Kreuzfahrtschiff, das noch unter deutscher Flagge fährt. 

Eigner des Schiffes ist seit 2018 die Delos Cruise. Ihr Heimathafen ist Nassau, die Hauptstadt der Bahamas (seit 2018). Zuvor war es Neustadt in Holstein (1998 bis 2015). Die Pläne der Reederei, das Schiff aus Kostengründen unter maltesischer Flagge fahren zu lassen, wurden nach erheblichem öffentlichem Druck jedoch wieder zurückgezogen. Bekannt wurde die "MS Deutschland" als "Traumschiff" in der gleichnamigen ZDF-Fernsehserie.

Seit 2015 dient die "Amadea" von Phoenix Reisen als Traumschiff. Bislang wurden insgesamt fünf Kreuzfahrtschiffe als Kulisse und Drehort für die Serie genutzt: Die "Vistafjord" der Norwegian American Cruises (1981-1982), die "Astor" (1983-1984) der Hamburger Reederei HADAG Seetouristik und Fährdienst, sowie die "Berlin" (1986-1999) und die "MS Deutschland" (1999-2014).

Flughafen Frankfurt - das  internationale Drehkreuz für den Flugverkehr

Der Verkehrsflughafen Frankfurt am Main ist der mit Abstand größte deutsche Flughafen und zugleich eines der weltweit bedeutendsten Luftfahrt-Drehkreuze. So nutzten 2023 rund 59,359 Millionen Passagiere den Flughafen (430.436 Flugbewegungen). Auch bei der Luftfracht ist der Frankfurter Flughafen das wichtigste Drehkreuz in Deutschland. Mit großem Abstand folgen die Flughäfen Köln/Bonn und Leipzig/Halle. Zudem ist der Flughafen ein eigenständiger Stadtteil Frankfurts mit einer eigenen Infrastruktur. 

Dazu zählen ein Krankenhaus, Gotteshäuser aller Weltreligionen, mehrere Restaurants und Hotels sowie eine vollautomatische Hochbahn. Mit etwa 70.000 Arbeitsplätzen ist der Rhein-Main-Flughafen der größte Arbeitgeber Deutschlands. Seinen Ursprung hat er im 1912 eröffneten "Luftschiffhafen am Rebstock". Betreibergesellschaft des Flughafens ist die im Jahre 1947 gegründete Fraport AG. Sie beschäftigt derzeit rund 19.211 Menschen und gehört mehrheitlich dem Land Hessen mit 31,1 Prozent sowie der Stadt Frankfurt mit 20,0 Prozent. Der Rest entfällt auf Streubesitz - darunter die Deutsche Lufthansa AG mit einem Anteil von 8,44 Prozent 

Im Jahr 2023 verbuchte die Fraport AG einen Umsatz von rund vier Milliarden Euro. Mit dem eigentlichen Luftverkehrsgeschäft wirft sie hingegen kaum noch einen Gewinn ab. Die wirklichen Gewinnbringer für die Betreibergesellschaft sind die internationalen Beteiligungen und Dienstleistungen sowie die Vermietung der Park- und Einzelhandelsflächen oder die Vermarktung von Immobilien.

Zu den Hotspots des internationalen Luftfrachtverkehrs gehört auch die 1996 eröffnete Cargo-City Süd. Während Lufthansa Cargo im Norden ihr Geschäft abwickelt, sind auf der ehemaligen US-Airbase mehr 200 Speditionen, Airlines und andere Dienstleister auf einer Fläche von 98 Hektar angesiedelt. Einige Firmen haben per Erbrecht ihre Gebäude auf dem Flughafengelände errichtet und zahlen Pacht für ihre Grundstücke an die Fraport. Derzeit arbeiten rund 10.000 Menschen in den Frachtbereichen des Frankfurter Flughafens.

Mit dem Fernbahnhof wurde 1999 der größte Flughafenbahnhof Deutschlands eröffnet. Er wird täglich von mehr als 23.000 Reisenden genutzt; zudem halten hier täglich 210 Fernzüge, davon 185 ICEs. Neben dem Bahnhof Limburg Süd ist er außerdem der einzige reine Fernbahnhof der Deutschen Bahn AG. Seit 2002 ist er auch Teil der Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main. Er ergänzt den heutigen Regionalbahnhof, welcher bereits am 14. März 1972 als nach zweiter Flughafenbahnhof nach Berlin-Schönefeld eröffnet wurde. Zwischen 1982 und 1993 wurde der Bahnhof zudem vom Lufthansa-Airport-Express angefahren - er diente vor allem als Ersatz für Kurzstreckenflüge auf den Verbindungen von Düsseldorf und Stuttgart zum Flughafen.

Neben dem Frankfurter Flughafen diente der Flughafen Frankfurt-Hahn als weiteres Luftfahrtkreuz, um diesen dauerhaft zu entlasten. Die französische Besatzungsmacht baute ihn nach 1951 zunächst als Militärflugplatz im Hunsrück aus. Nach 1993 wirf der Flughafen im Rahmen der Konversion als ziviler Flughafen genutzt. Mittlerweile ist er der fünftgrößte Frachtflughafen Deutschlands. Im Passagierverkehr wird er von Billig-Airlines genutzt. Für die irische Fluggesellschaft Rynair war der Flughafen Frankfurt-Hahn sogar das wichtigste europäische Drehkreuz nach London-Standsted. Die Betreibergesellschaft des regionalen Flughafens ist die TRIWO Hahn Airport GmbH.

In Frankfurt am Main hat neben Condor auch die Lufthansa ihre Heimatbasis. Die größte deutsche Airline wurde 1926 gegründet und zählt heute zu den größten Fluggesellschaften der Welt. Mit 261 Maschinen fliegt sie derzeit 320 nationale und internationale Ziele an. Sie ist Initiatorin und Gründungsmitglied der Star Alliance - mit derzeit 26 Fluggesellschaften, 4.657 Maschinen und 641,10 Millionen Passagieren die größte Luftfahrtallianz der Welt. Zu den zahlreichen Tochtergesellschaften und Subunternehmen gehören unter anderem die Swiss - die Nachfolgegesellschaft der Swissair - und die Austrian Airlines. Seit 1993 betreibt die Lufthansa das Vielfliegerprogramm Miles & More.

Zu den Tochtergesellschaften der Lufthansa gehört auch die Lufthansa CityLine. Sie führt in deren Auftrag unter dem Namen Lufthansa Regional die innerdeutschen und europäischen Ziele durch. Die größte deutsche Frachtfluggesellschaft ist die Lufthansa-Tochter Lufthansa Cargo mit einem Streckennetz von etwa 300 Zielen auf fünf Kontinenten. Sie beschäftigt derzeit rund 4.568 Mitarbeiter und leistet einen großen Teil ihres Frachtgeschäfts über den Rhein-Main-Flughafen ab.

Nationales Wahrzeichen: Das Brandenburger Tor in Berlin

Das Brandenburger Tor in der Bundeshauptstadt Berlin zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen Deutschlands. Zudem ist es eines der wichtigsten nationalen Symbolen des Landes. Das Tor wurde zwischen 1788 und 1791 auf Anweisung von König Friedrich Wilhelm II. (1786-1797) vom Architekten Carl Gotthard Langhans (1732-1808) erbaut. Mit ihm sind viele Ereignisse in Geschichte der  Stadt Berlin sowie in der deutschen und europäischen Geschichte verbunden. So tobten hier die Kämpfe der Märzrevolution 1848. Außerdem nutzten die Nationalsozialisten das Tor zur Inszenierung ihrer Fackelaufmärsche. Während der Teilung Berlins zwischen 1961 und 1989 stand das Tor isoliert auf der Ost-Seite der Stadt. Damit wurde das Brandenburger Tor zu einem Symbol des Kalten Krieges sowie nach 1990 für die Wiedervereinigung.

Mythos Adlon: Berlin erste Adresse für Politik und Prominenz

Das Hotel Adlon gehört heute zu den bekanntesten und luxuriösesten Hotels in Deutschland. Den Grundstein für das Traditionshaus legte der Hotelier Lorenz Adlon bereits im Oktober 1907. Bereits in seinen frühen Jahren wurde es zum Anlaufpunkt für Familien des Hochadels sowie ranghohe Politiker und Industrielle. Monarchen wie Kaiser Wilhelm II. (1888-1918), der Zar von Russland oder der Maharadscha von Patalia gehörten ebenso zu seinen Gästen wie der Automobilerfinder Henry Ford, der US-Unternehmer John D. Rockefeller oder der ehemalige deutsche Außenminister Gustav Stresemann. Während der "Goldenen Zwanziger" war das Adlon der Anlaufpunkt für zahlreiche internationale Gäste. Nach der "Machtergreifung" durch die Nationalsozialisten nahm der Höhenflug des Hotels ein vorläufiges Ende. In der Nacht vom 2. zum 3. Mai 1945 brannte das Hotel aus bislang ungeklärten Gründen nahezu völlig aus. Erst am 23. August 1997 wurde es in seiner heutigen Form wiedereröffnet und gehört nun zur Hotelkette Kempinski.

Markierung der Berliner Mauer

Das geteilte Berlin

Der Westteil Groß-Berlins wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst von den drei westlichen Besatzungsmächten Großbritannien, Frankreich und USA verwaltet. Mit der Verabschiedung des Grundgesetzes 1949 und der Verfassung von Berlin 1950 erhielt West-Berlin des Status eines Bundeslandes. Das Viermächteabkommen für Berlin von 1971 stellte jedoch fest, dass es kein "kontitutiver" Bestandteil der Bundesrepublik war. Während der Teilung war der Westteil Berlins eines der "Auswanderungsziele" für die westdeutsche Jugend sowie ein beliebtes Ziel der Wehrdienstflüchtlinge. Das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Stadt konzentrierte sich um den Kurfürstendamm.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete der Ostteil Groß-Berlins den sowjetischen Sektor. Er war zunächst Verwaltungszentrum der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). 1949 wurde Ost-Berlin faktisch zur Hauptstadt der DDR. Völkerrechtlich blieb es jedoch Teil der Viersektorenstadt und damit unter alliierter Verwaltung. Nach dem Viermächteabkommen für Berlin wurde der Ostteil Berlins - abgesehen von einigen alliierten Vorbehaltsrechten - de facto in die DDR integriert. Das Zentrum des Berliner Ostteils bildete der Alexanderplatz mit dem Fernsehturm als markantes Wahrzeichen. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wurde Ost-Berlin ein Teil des Bundeslandes Berlin.

Quelle: Pixabay

Symbol der deutschen Teilung - die Berliner Mauer

Mehr als 28 Jahre lang war die Berliner Mauer das Symbol für die Teilung Deutschlands während des Kalten Krieges. Sie grenzte die Westsektoren Berlins vom Ostteil der Stadt sowie von der DDR ab. Die Mauer umfasste 155 Kilometer und war vier Meter hoch - allein 43 Kilometer davon trennte die beiden Teile Berlins. Die innerdeutsche Grenze selbst war rund 1.400 Kilometer lang. Die Mauer unterbrach zwölf S-Bahn- und U-Bahnlinien sowie 193 Straßen. Entlang des Grenzwalls gab es insgesamt acht Grenzübergänge zwischen West- und Ost-Berlin sowie sechs weitere zwischen der DDR und West-Berlin.

 "Berlin wird leben und die Mauer wird fallen."

Willy Brandt (SPD) auf einer Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus am 10. November 1989

Einer der wohl bekanntesten Grenzübergange war der Checkpoint Charlie zwischen dem Ost-Berliner Bezirk Mitte und dem West-Berliner Bezirk Kreuzberg. Von 302 Beobachtungstürmen aus kontrollierten 11.500 Soldaten der DDR-Grenztruppen die Grenzbefestigungen vor sogenannter "Republikflucht". Insgesamt 127 Kilometer Signalzäune und 105 Kilometer Gräben sollten einen Durchbruch mit Autos verhindern. Zudem gehörten 259 Laufanlagen für Wachhunde zur Grenzbefestigung.

Erbaut wurde die Mauer am 13. August 1961 unter dem Deckname "Rose". Deklariert wurde das Bauwerk jedoch als "antifaschistischer Schutzwall", mit dem Ziel, die Menschen an der Flucht aus der DDR hindern. Dennoch versuchten in den folgenden Jahren mehr als 100.000 Menschen über die innerdeutsche Grenze in den Westen zu fliehen. Dabei kamen über 600 von ihnen ums Leben - allein an der Berliner Mauer starben mindestens 136 Menschen. Andere Forschungen gehen sogar von bis zu 245 Toten aus. Während sich die Westmächte mit Protesten zurückhielten, fühlte sich die DDR-Führung hingegen als Sieger. Erst am 9. November 1989 fiel die Mauer mit der Öffnung der innerdeutschen Grenze durch die DDR.

Quelle: Statista

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 wurden die tödlichen Schüsse infolge des "Schießbefehls" an der Mauer in den Mauerschützen-Prozessen juristisch aufgearbeitet. Seit 1998 erinnert die nationale Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße den Todesopfer an der Berliner Mauer. Sie umfasst neben einem Dokumentationszentrum auch die Kapelle der Versöhnung sowie ein 60 Meter langes Teilstück der früheren Grenzanlagen.

Heute sind in der Hauptstadt nur noch einige Überreste der einstigen Grenzbefestigung zu sehen: Neben der Gedenkstätte in der Bernauer Straße ist die East Side Gallery heute das wohl bekannteste Mauerstück. Mit 1,3 Kilometern ist sie das längste noch erhaltene Mauerstück. Im Frühjahr 1990 bemalten 118 Künstler aus 21 Ländern mit riesigen Wandbildern - was sie zur längsten dauerhaften Open-Air-Galerie der Welt machten.

Dresden (Quelle: Bild von Sebastian_127 auf Pixabay)

Feuersturm in Dresden

Im Laufe des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) wurden die deutschen Großstädte zunehmend as Ziel alliierter Luftangriffe. Vor allem mit der Ernennung von Arthur Harris (1892-1984) zum Oberbefehlshaber des RAF Bomber Command nahmen die Flächenangriffe auf die deutschen Städte zu. Dessen Kriegsziel: Deutschland allein durch großflächige Bombardements zur Kapitulation zu zwingen.

Erstmals angewandt wurde seine Taktik des "Feuersturms" am 29. März 1942 durch die Luftangriffe auf Lübeck. In den folgenden Kriegsjahren wurden unter Harris' Führung weitere zahlreiche deutsche Städte durch die Angriffe der britischen Luftwaffe zerstört - so etwa bei der Operation Gomorrha gegen Hamburg, bei der im Juli 1943 schätzungsweise etwa 34.000 Menschen ums Leben gekommen waren. 

In der öffentlichen Wahrnehmung nimmt der Luftangriff auf Dresden im Februar 1945 ein. Die vier großen Angriffswellen der Royal Air Force (RAF) und United States Army Air Forces (USAAF) forderten zwischen 22.700 und 25.000 Todesopfer. Zudem wurden große Teile der Innenstadt und der industriellen und militärischen Infrastruktur von Dresden zerstört. 

Dabei wurde die Dresdner Frauenkirche zum eigentlichen Symbol für die Verwüstungen. So wurde das Gebäude durch die Hitze so geschwächt, dass sie am Vormittag des 15. Februar 1945 ausgebrannt in sich zusammenbrach. In der DDR blieb die Ruine der Kirche erhalten und wurde somit ein Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung. Erst nach der friedlichen Revolution in der DDR begannen Anfang 1993 die Enttrümmerung und ab 1994 der Wiederaufbau des Kirchbaus.  Am 30. Oktober 2005 wurde der Neubau Frauenkirche mit einem Weihegottesdienst und einem Festakt wieder eingeweiht. Aus dem Mahnmal gegen Krieg und Gewalt wurde nun ein Symbol der Versöhnung.

Quelle: Terra X History auf Youtube

Die Angriffe vom Februar 1945 verstärkten die Kritik an der Luftkriegsführung der Westalliierten. Historiker diskutieren bis heute, ob diese Flächenbombardements als militärisch notwendig und zweckmäßig waren oder als Kriegsverbrechen zu werten seien. Zudem wird das jährliche friedliche Gedenken an den 13. Februar 1945 in Dresden wird seit Ende der 1990er Jahre regelmäßig von Rechtsextremisten für geschichtsrevisionistische Zwecke benutzt - auch wenn die angeblich sechsstelligen Opferzahlen der NS-Propaganda heute durch entsprechende historische Untersuchungen widerlegt wurden.

Besonders verheerend war zudem der Luftangriff auf Würzburg am 16. März 1945, bei dem etwa 90 Prozent der Altstadt zerstört wurde. Etwa 4.000 bis 5.000 Menschen sollen dabei den Bomben zum Opfer gefallen sein. Zwei Wochen später wurde die fränkische Großstadt nach der Schlacht um Würzburg durch US-Bodentruppen eingenommen wurde. 

Weitere schwere Luftangriffe erfolgten bis zum Kriegsende 1945 neben dem Ruhrgebiet auch auf die Städte Kassel, Leipzig, Frankfurt am Main, Darmstadt, Braunschweig, Nürnberg, Magdeburg, Pforzheim, Mainz, Hanau, Hildesheim und Nordhausen.

Konzentrationslager Auschwitz. Quelle: Bild von Carl S auf Pixabay

Von Dachau bis Auschwitz: Die Konzentrationslager der Nationalsozialisten

Das ehemalige KZ Dachau liegt etwa 20 Kilometer nordwestlich von München. Es war das erste große und dauerhaft angelegte Konzentrationslager während der NS-Diktatur. Bereits wenige Wochen nach der "Machtergreifung" Adolf Hitlers wurde das KZ am 22. März 1933 errichtet. Die ersten Gefangenen waren politische Gegner des NS-Regimes - später folgten Kriminelle, engagierte Christen, Sinti und Roma, Homosexuelle sowie vor allem Juden. Zwischen 1933 und 1945 waren im Dachauer KZ sowie seinen 140 Außenstellen mehr als 200.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert.

Als das Lager am 29. April 1945 von US-Truppen befreit wurde, waren noch mehr als 30.000 Häftlinge aus 31 Nationen in den Baracken eingepfercht. Nach der Befreiung inhaftierten die Alliierten bis 1948 im Internierungslager Dachau ehemalige Angehörige der SS und der Waffen-SS sowie frühere Funktionäre der NSDAP. Heute befindet sich auf dem Gelände die KZ-Gedenkstätte Dachau.

Quelle: Statista

Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau wurde 1941 im deutsch besetzten Polen errichtet und war das größte Vernichtungslager während der NS-Diktatur. Bis Anfang 1945 wurden über 1,1 Millionen Menschen im räumlich größten KZ des "Dritten Reichs". Die meisten Opfer waren Juden aus den besetzten Gebieten Europas. Zudem wurden rund 70.000 Polen, 21.000 Sinti und Roma sowie 15.000 sowjetische Kriegsgefangene und Menschen aus zahlreichen anderen Nationen ermordet oder starben an Hunger und Folter. Die Rote Armee befreite am 27. Januar 1945 rund 7.000 überlebende Gefangene.

Quelle: Statista

In der Nachkriegszeit wurde Auschwitz-Birkenau zum Symbol für den Holocaust. Heute ist das KZ-Gelände ein Teil des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau. Seit 2007 gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im Jahr 2005 erklärten die Vereinten Nationen zudem den 27. Januar zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Rund 80 Jahre später (Stand: August 2023) gibt es noch etwa 245.000 Überlebende des Holocaust. Die meisten von ihnen wurden zwischen 1933 und 1942 geboren und waren somit zum Zeitpunkt des Endes des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 Kleinkinder, Kinder im Schulalter oder junge Erwachsene. Rund 119.300 Überlebende (48,8 Prozent) leben heute in Israel. In Deutschland leben heute noch etwa 14.200 Holocaust-Überlebende (5,8 Prozent).

Quelle: Statista

Yad Vashem ("Denkmal und Name") in Jerusalem ist mittlerweile die größte Holocaust-Gedenkstätte der Welt. Sie wurde 1953 auf Beschluss des israelischen Parlaments gegründet. Die Namen von 4,2 Millionen der sechs Millionen ermordeten Juden sind dort dokumentiert.
Besonders eindrucksvoll ist die "Halle der Erinnerung" mit der Gedenkflamme für die Opfer. In den Boden des abgedunkelten Raums sind die Namen der Nazi-Vernichtungslager in ganz Europa eingelassen. Auf bis zu sieben Meter hohen Felsen finden sich im "Tal der Gemeinden" die Namen von rund 5.100 jüdischen Gemeinden, von denen der Großteil von den Nazis ausgelöscht wurde.

In Yad Vashem wird auch an 1,5 Millionen jüdische Kinder erinnert, die während der Nazi-Herrschaft ermordet wurden. In einem unterirdischen Raum wird in der Dunkelheit das Licht von Kerzen reflektiert. Per Tonband werden ohne Unterbrechung die Namen der ermordeten Kinder, deren Alter sowie ihre Herkunftsländer verlesen. Als "Gerechte unter den Völkern" werden in Yad Vashem auch Menschen gewürdigt, die Juden während des Holocausts gerettet haben - und dies oftmals unter Gefährdung ihres eigenen Lebens.

Hintergrundinformation: Der Holocaust-Gedenktag

Am Holocaust-Gedenktag wird weltweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am 27. Februar 1945 wurde Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von der sowjetischen Armee befreit. Auschwitz steht heute symbolhaft für die Millionen Menschen, die vom Nazi-Regime verfolgt und ermordet wurden. Mit Lesungen, Konzerten, Theateraufführungen oder Gedenkmärschen soll die Erinnerung an den nationalsozialistischen Terror wachgehalten werden. In Deutschland hatte Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar als nationalen Gedenktag festgelegt. Die Generalversammlung der UNO erklärte den Tag im Jahr 2005 zum "Internationalen Holocaustgedenktag".

In Deutschland scheint die Erinnerungskultur an den Holocaust jedoch oftmals noch lückenhaft zu sein. Laut einer Jugendstudie des Multidimensionalen Erinnerungsmonitor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung Bielefeld (IKG) schätzen 16- bis 25-Jährige ihre persönliche Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus als intensiver ein als Befragte aus der Gesamtbevölkerung. Eine KZ-Gedenkstätte hat allerdings mehr als ein Viertel der Befragten aus dieser Altersgruppe noch nie besucht.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ist rund 74,8 Prozent der Befragten bekannt. Dahinter folgen mit deutlichem Abstand das KZ Dachau mit rund 34,3 Prozent, Buchenwald mit 27 Prozent und Bergen-Belsen mit etwa 11,5 Prozent. Andere Konzentrationslager scheinen für die meisten jedoch eher unbekannt zu sein.

Quelle: Statista

Kurzinformation: Das Warschauer Ghetto

Das Warschauer Ghetto war das größte der Ghettos im besetzten Polen, mit zeitweise bis zu 450.000 Menschen, die auf einer Fläche von etwa drei Quadratkilometern leben mussten. Ausgerechnet am höchsten jüdischen Feiertag, dem Versöhnungsfest Jom Kippur, wurden die Warschauer Juden von der deutschen Besatzung am 12. Oktober 1940 über die Einrichtung eines Ghettos informiert.

In dem von einer Mauer umgebenen und seit Mitte November 1940 vom Rest Warschaus abgeriegelten Ghetto musste etwa ein Drittel der Warschauer Bevölkerung auf nicht einmal drei Prozent des Stadtgebiets leben. Hunger, Enge, unzureichende sanitäre Bedingungen brachten der Mehrheit der Ghettobevölkerung unerträgliche Lebensbedingungen. Nach Schätzungen starben 100 000 Menschen an den Folgen des Hungers. 

Im Juli 1942 begannen die Massendeportationen aus dem Ghetto - angeblich zum Arbeitseinsatz, tatsächlich aber in das Vernichtungslager Treblinka. Als im Frühjahr 1943 eine neue Deportationswelle drohte, formierte sich der Widerstand. Zu diesem Zeitpunkt lebten noch etwa 70.000 Menschen im Ghetto. Es war 1943 der Ort der größten jüdischen Widerstandsaktion gegen den Völkermord: Der Aufstand im Warschauer Ghetto begann am 19. April 1943 und dauerte mehrere Wochen an. Er endete am 16. Mai 1943 mit der Niederschlagung des Aufstandes.

Kurzinformation: Das Simon-Wiesenthal-Zentrum

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum kämpft weltweit gegen Rassismus, Antisemitismus, Terrorismus und Völkermord und setzt sich für die Förderung von Toleranz ein. Bekannt wurde es mit der weltweiten Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern und Kollaborateuren. Die Menschenrechtsorganisation wurde 1977 in Los Angeles von Rabbi Marvin Hier gegründet. Das Zentrum ist nach dem österreichischen Juden Simon Wiesenthal (1908-2005) benannt. In der NS-Zeit verlor Wiesenthal durch den Holocaust Dutzende Angehörige und forschte nach dem Zweiten Weltkrieg weltweit nach Nazi-Tätern.

Kurzinformation: Die Euthanasie im Nationalsozialismus

Die "Aktion T4" bezeichnet die Euthanasieprogramme der Nationalsozialisten: hinter diesen verbarg sich der organisierte Massenmord an seelisch leidenden, körperlich oder geistig behinderten Menschen sowie chronisch Kranken. Nach offiziellen Statistiken starben in der ersten Phase zwischen 1939 und 1941 mindestens 70.000 Menschen. Nach zunehmendem Widerstand aus der Bevölkerung und den Kirchen sowie Protesten der Weltöffentlichkeit wurde die Aktion zwar gestoppt.

Doch gingen die Morde in den Gaskammern Osteuropas oder bei der sogenannten wilden Euthanasie in den Pflegeheimen weiter. Dort experimentierten Mediziner mit Medikamenten oder Elektroschocks. Bis 1945 fielen nach Expertenschätzungen zwischen 120.000 und 250.000 Menschen den Euthanasieprogrammen zum Opfer. Zahlreiche Euthanasie-Ärzte tauchten unter, manche nahmen sich auch das Leben. In den Euthanasie-Prozessen mussten sich letztlich 61 Verantwortliche juristisch verantworten.

Kurzinformation: Das Attentat vom 20. Juli 1944

Der 20. Juli 1944 gilt als Symbol des militärischen Widerstandes gegen Nationalsozialismus. An diesem Tag versuchte Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" mit der Ermordung Adolf Hitlers einen Machtwechsel in Deutschland einzuleiten. Allerdings scheiterte der Plan - auch "Operation Walküre" genannt - Stauffenberg und rund 200 Mitverschwörer fielen der NS-Justiz zum Opfer. Heute würdigen die Bundesregierung und die Bundeswehr die Widerständler mit einer Feierstunde - seit 1999 auch mit einem Gelöbnis. Insgesamt sind mindestens 39 Attentate auf Hitler belegt.

Als Zentrum des Umsturzversuches gilt der Bendlerblock im Berliner Ortsteil Tiergarten. Benannt nach dem Kommunalpolitiker Johann Christoph Bendler (1789-1873) wurde er zunächst zwischen 1911 und 1914 als Reichsmarineamt genutzt. Während der Weimarer Republik war hier das Reichswehrministerium angesiedelt. Nach 1935 war er Sitz des Allgemeinen Heeresamtes der NS-Wehrmacht. Seit 1993 ist der Bendlerblock der zweite Dienstsitz des Bundesverteidigungsministeriums; zudem erinnert seit 1953 die Gedenkstätte Deutscher Widerstand an die Widerstandskämpfer des 20. Juli.

Grabstein der Anne Frank. Quelle: Bild von bernswaelz auf Pixabay

Anne Frank und ihr Tagebuch

Das Tagebuch der Anne Frank gehört zu den eindringlichsten Dokumenten jüdischer Schicksale im "Dritten Reich". Darin schildert die Tochter eines jüdischen Bankiers das Leben, die Ängste und Hoffnungen in einem Hinterhaus in Amsterdam, wo sich ihre Familie und einige Freunde von 1942 bis 1944 vor dem Terror der Nationalsozialisten versteckten. Heute gehört das Tagebuch in Form von Briefen an Annes fiktive Freundin Kitty zu den bekanntesten und weltweit am meisten gelesenen Bücher. Zudem wurde es in Sprachen verlegt, verfilmt und für die Bühne aufbereitet. Seit 2009 gehört das Tagebuch zum Weltdokumentenerbe der UNESCO.

Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren. 1933 emigrierte ihre Familie in die Niederlande. 1942 musste sie wie tausende andere jüdische Menschen untertauchen, um der Deportation in die Konzentrationslager zu entgehen. Im August 1944 flog das Versteck der Familie Frank in einem Hinterhaus in der Amsterdamer Prinsengracht durch Verrat auf. Das Mädchen wurde zunächst ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, dann in das LagerBergen-Belsen deportiert. Dort starb sie schließlich im Frühjahr 1945 an Typhus. Ihr Vater Otto Heinrich Frank überlebte den Holocaust und veröffentlichte 1947 das Tagebuch seiner Tochter.

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Die Buchmessen in Deutschland

Die Wurzeln der Frankfurter Buchmesse reichen bis ins Jahr 1485 zurück - sie trug dazu bei, dass Frankfurt schon bald den Ruf eines Zentrums des deutschen und europäischen Buchdrucks inne hatte. Heute gilt die größte deutsche Buchmesse gleichzeitig als größte Medien- und Buchmesse der Welt. Die Wurzeln der Frankfurter Buchmesse reichen bis ins Jahr 1485 zurück - sie trug dazu bei, dass Frankfurt schon bald den Ruf eines Zentrums des deutschen sowie des europäischen Buchdrucks inne hatte. Heute gilt die größte deutsche Buchmesse gleichzeitig als größte Medien- und Buchmesse der Welt. 2023 verzeichnete sie etwa 103.000 Fachbesucher aus 130 Ländern und rund 110.000 Leser. Zudem waren mehr als 4.000 Ausstellende aus 95 Ländern auf der Messe 2023 präsent.

Die Buchmesse dient außerdem als Fachmesse vor allem Verlegern, Agenten, Buchhändlern, Bibliothekaren, Wissenschaftlern, und anderen Anbietern als Plattform, um ihr Angebot vorzustellen und Geschäfte abzuschließen. Seit 1988 hat die Messe ein Gastland oder eine Gastregion, die einen thematischen Schwerpunkt bilden und ein besonderes Rahmenprogramm veranstalten. Für 2024 ist Italien mit seiner Literatur als Ehrengast vorgesehen.

Im Rahmen der Buchmesse werden seit 1950 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und seit 1956 der Deutsche Jugendliteraturpreis verliehen. Der Friedenspreis gehört zu den bedeutendsten Auszeichnungen des Landes. Mit ihm wird eine Persönlichkeit aus dem In- oder Ausland geehrt, die auf dem Gebiet der LiteraturWissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat. Verliehen wird der mit 25.000 Euro dotierte Preis vom Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Überreicht wird er am Ende der Buchmesse in der Frankfurter Paulskirche. Zu den Preisträgern gehören unter anderem Albert SchweitzerCarl-Friedrich von WeizäckerHermann HesseMax FrischAstrid LindgrenYehudi MenuhinVáclav Havel oder Jürgen Habermas.

Seit 2005 wird zu Beginn der Buchmesse zudem der Deutsche Buchpreis (dpb) vergeben, der ebenfalls vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels verliehen wird. Mit ihm soll der "beste Roman in deutscher Sprache" gekürt werden. Die Titel dürfen von Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingereicht werden. Eine siebenköpfige Jury, deren Besetzung jährlich wechselt, wählt zunächst 20 Titel für eine Longlist aus - später wird die Auswahl auf eine Shortlist verkürzt. Der Sieger wird traditionell am Vorabend der Buchmesse bekannt gegeben. Der Hauptpreis ist mit 25.000 Euro dotiert, die Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro. Der Buchpreis hat zudem eine hohe Publikumsresonanz - so schaffen es die Sieger in der Regel in die Bestsellerlisten.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) vergibt zudem den Jugendliteraturpreis für herausragende, anspruchsvolle Werke der internationalen Kinder- und Jugendliteratur verliehen. Er wird in den Kategorien Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch vergeben und jeweils mit 8.000 Euro dotiert. Hinzu kommt ein mit 10.000 Euro dotierter Sonderpreis.

Kurzinformation: Zahl der Büchereien in Deutschland geht zurück

Die Zahl der öffentlichen Büchereien ist in Deutschland weiterhin rückläufig. Allein im Jahr 2022 gab es bundesweit noch rund 8.142 Büchereien. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 waren es noch 9.898 - dies entspricht einem Rückgang etwa 18 Prozent. Nach Angaben der Deutschen Bibliotheksstatistik (DBS) stehen die meisten öffentlichen Bibliotheken derzeit in Bayern (1.808), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (1.566) und Baden-Württemberg (1.175). Damit befindet sich rund ein Drittel der Büchersammlungen im Süden Deutschlands. Die geringste Anzahl öffentlicher Büchereien weisen die Stadtstaaten Bremen (13), Hamburg (37) und Berlin (74) vor. Auf die Einwohnerzahl gerechnet steht jedoch Rheinland-Pfalz an der Spitze der Bundesländer: Hier stehen es etwa 14,1 Bibliotheken je 100.000 Einwohner zur Verfügung. Bayern liegt knapp dahinter mit etwa 13,7 Büchereien. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 9,8 öffentlichen Bibliotheken.

Öffentliche Bibliotheken in Deutschland.

Quelle: Statista

Die Leipziger Buchmesse blickt mittlerweile auf eine lange Tradition zurück. Ihre Geschichte reicht bereits bis ins 17. Jahrhundert zurück und war zeitweise der größte Branchentreff im deutschsprachigen Raum. Heute gilt die zweitgrößte Buchmesse Deutschlands im Frühjahr mit der Präsentation der Neuerscheinungen als wichtiger Impulsgeber für den Büchermarkt. Sie ist zudem in erster Linie auch eine Publikumsmesse, bei der "die Begegnung zwischen Autor und Besucher in den Vordergrund" gestellt wird. Die Atmosphäre gilt daher als familiär und entspannt. Allein 2024 besuchten rund 283.000 Besucher die Stände der insgesamt 2.045 Aussteller. Für 2025 ist Norwegen mit seiner Literatur als Gastland vorgesehen.

In die Buchmesse mit eingebunden ist seit 1991 auch das größte europäische Lesefestival "Leipzig liest" - mit etwa 2.600 Veranstaltungen an über 350 Orten gilt es als größtes Festival seiner Art in Europa. Zudem wird seit 2005 auch der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Dieser Preis soll allerdings nicht bereits erfolgreiche Bücher ehren, sondern vielmehr Neuerscheinungen in den Vordergrund stellen. 

Verliehen wird der Preis am ersten Messetag mit Unterstützung der Stadt Leipzig sowie des Freistaates Sachsen und in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin. Der Jury gehören sieben Literaturkritiker und -fachleute an. Zudem ist der Preis mit 60.000 Euro dotiert.

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Die Bundesgartenschau (BUGA) und die Landesgartenschauen (LGS)

Die Bundesgartenschau (BUGA) wird seit 1951 alle zwei Jahren in Deutschland veranstaltet. Im Rhythmus von jeweils zehn Jahren wird die BUGA durch eine Internationale Gartenschau (IGS) ersetzt. Nach Angaben der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH (DBG) in Bonn verzeichneten die Blumenfeste mehr als 140 Millionen Besucher. Zudem ist die Vorbereitung im Laufe der Jahre immer stärker zur Landschafts- und Stadtentwicklung genutzt worden. Wer eine BUGA ausrichten darf, wird von der DBG entschieden, wobei die öffentlichen Kassen an der Finanzierung beteiligt werden. Zudem ist die Vorbereitung der Ausstellungen immer stärker zur Landschafts- und Stadtentwicklung genutzt worden.

Die letzte Bundesgartenschau fand 2023 mit über 2,2 Millionen Besuchern in Mannheim statt. Bislang wurden die Blumenschauen in mehr als 20 Städten ausgerichtet. Hamburg und Stuttgart waren die Gastgeber für jeweils drei Gartenschauen. Bislang gab es nur in BremenSchleswig-HolsteinSachsen und im Saarland keine Bundesgartenschauen. Die nächste BUGA sollte eigentlich 2025 in Rostock stattfinden. Allerdings entschied die Bürgerschaft der Stadt Rostock am 22. Juni 2022, die Ausstellung abzusagen. Die Begründung: Die geplanten Baumaßnahmen seien nicht rechtzeitig im geplanten Kostenrahmen umzusetzen. Es ist die erste Absage einer Bundesgartenschau der 70-jährigen Geschichte. Die nächste Ausstellung wird daher erst 2027 im Ruhrgebiet als IGS veranstaltet.

Daneben finden in den deutschen Bundesländern auch Landesgartenschauen (LAGA oder LGS) statt, die ein kleineres Pendant zur BUGA darstellen. Dabei reicht die Wurzeln der einzelnen Gartenausstellungen bereits in das 19. Jahrhundert zurück. Die ersten Ausstellungen fanden bereits  1865 in Erfurt, 1887 in Dresden oder 1927 im schlesischen Liegnitz statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1933-1945) wurde bereits 1970 in Nordrhein-Westfalen in Grefrath eine erste Landesgartenschau veranstaltet. Seit 1980 werden in Baden-Württemberg und Bayern jeweilige Landesgartenschauen organisiert. Zudem wurde im gleichen Jahr in Neu-Ulm und Ulm die bundesweit erste grenzüberschreitende LGS veranstaltet.

Kurzinformation: Die bedeutendsten Museen in Deutschland und der Welt

Im Jahr 2022 gab es in Deutschland rund 7.100 Museen und 530 Ausstellungshäuser. Zu diesen Ergebnis kommt eine Analyse des Berliner Instituts für Museumsforschung. Demnach gibt es die meisten Museen in Baden-Württemberg. Damit steht das “Ländle” knapp vor Bayern. An dritter Stelle folgt Nordrhein-Westfalen. Rund 3.000 Museen befassen sich demnach mit der Regional- und Ortsgeschichte. Dahinter folgen kulturgeschichtliche Spezialmuseen sowie naturwissenschaftliche und technische Museen. 

Die größten Museen in Deutschland sind derzeit das Deutsche Museum in München, das Miniatur Wunderland in Hamburg, sowie in Berlin die Topographie des Terrors und die Gedenkstätte Berliner Bauer. Die größten Ausstellungshäuser in Deutschland sind der Martin-Gropius-Bau in Berlin sowie die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.

Im internationalen Vergleich schafft es allerdings kein deutsches Museum in die Weltspitze. Dagegen ist die britische Hauptstadt London ein echter Museums-Hotspot. Dies geht aus dem Theme Index Report 2022 hervor. Allein drei der weltweit populärsten Häuser sind in der Metropole beheimatet: Dazu zählen das Natural History Museum, das British Museum und die Tate Gallery of Modern Art. Der absolute Publikumsmagnet ist jedoch der Louvre in Paris. Das Kunstmuseum lockte 2022 fast acht Millionen Besucher an. Das sind 173 Prozent mehr als im Vorjahr 2021. Im Vergleich zu 2019 ist es allerdings ein Rückgang von 19,5 Prozent.

Quelle: Statista

documenta 14. Quelle: Bild von ek3100 auf Pixabay

documenta

Die documenta gehört zu den weltweit bedeutendsten Kunstaustellung und ist die wichtigste Reihe für zeitgenössische Kunst. Sie findet im Abstand von fünf - ursprünglich vier - Jahren in Kassel statt und dauert 100 Tage. Das "Museum der 100 Tage" fasst nicht nur aktuelle Tendenzen der modernen Kunst zusammen - sie ist gleichzeitig auch der Ort für neue Ausstellungskonzepte. 

Die Kunstausstellung wurde 1955 vom Maler und Kunstprofessor Arnold Bode begründet und war ursprünglich als Beiprogramm zur Bundesgartenschau gedacht. Während der ersten documenta wollte Bode die von den Nationalsozialisten "Entartete Kunst" zeigen. Wegen ihres großen Erfolges wurde die documenta jedoch in den folgenden Jahrzehnten regelmäßig wiederholt. Zählte die erste Ausstellung noch etwa 130.000 Zuschauer, stieg die Besucherzahl kontinuierlich auf mehr als 860.000 im Jahr 2012.

Kurzinformation: Die Klassik Stiftung Weimar

Die Klassik Stiftung Weimar ist nach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz die zweitgrößte Kulturstiftung Deutschlands und wurde 1886 gegründet. Heute betreut sie ein Ensemble von etwa 20 historischen Wohnhäusern, Museen, Schlössern und Parkanlagen in und rund um Weimar - darunter die Herzog-Anna-Amalia-Bibliothek und das Goethe-Schiller-Archiv. Seit 2002 gehört das Ensemble Klassisches Weimar zum UNESCO-Weltkulturerbe. Finanziert wird die Stiftung zu 50 Prozent durch den Bund, das Land Thüringen und die Stadt Weimar.

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Eurovision Song Contest (ESC)

Der Eurovision Song Contest (ESC) findet seit 1956 statt und geht auf eine Idee des Schweizers Marcel Bezençon (1907-1981) zurück. Bis 2001 war er in Deutschland unter dem Namen "Grand Prix Eurovision de la Chanson" bekannt. Der europäische Gesangswettbewerb wird von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) veranstaltet. 

Der EBU gehören neben den meisten europäischen Fernseh- und Radiostationen auch einige afrikanische und asiatische Sender an. Jedes teilnehmende Land ist gemäß den Regeln mit einem Lied im Wettbewerb vertreten - gemäß der Regel trägt immer der Vorjahressieger den jeweils aktuellen Contest aus. Seit 2004 gibt es zudem ein Halbfinale, um die Teilnehmerzahl von mehreren Dutzend zu reduzieren. Erfolgreichste Länder mit dem ESC-Rekord von jeweils sieben Siegen sind Irland und Schweden.

Deutschland gewann den Wettbewerb 1982 und 2010. Bislang haben 27 der 52 teilnehmenden Nationen den Wettbewerb gewonnen. Lediglich Liechtenstein und der Vatikan haben noch nie am früheren Grand Prix Eurovision de la Chanson teilgenommen. Als einziges arabisches Land nahm Marokko im Jahr 1980 teil. Es war die bislang einzige Teilnahme in der Geschichte. Erster überseeischer Teilnehmer ist Australien.

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Glanz und Glamour auf der Berlinale

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin - kurz Berlinale - gehören mit den Festivals in Cannes und Venedig zu den bedeutendsten der Welt. Das Festival wurde erstmals im Jahre 1971 mit US-amerikanischer Unterstützung im Berliner Titania-Palast veranstaltet. Mit dem Festival wollten die drei West-Alliierten die einstige Bedeutung Berlins als Filmstadt wiederbeleben. Zu den Gästen der ersten Jahre gehörten bekannte Schauspieler wie Sophia LorenGary CooperJean-Paul BemondoCary GrantRita Hayworth oder Errol Flynn.

Das Festival verstand sich als kulturelles Aushängeschild des Westens im eingeschlossenen Berlin. Während des Kalten Krieges wurde es dann zu einer wichtigen Begegnungsstätte von Filmemachern aus Ost und West. Im Gegensatz zum Glamour der Festivals in Frankreich und Italien sollte die Berlinale angesichts der Ost-West-Beziehungen vor allem eon Forum des politisch engagierten Films sein. Mit der Liberalisierung des Ostblocks konnten in den 1980er-Jahren auch lange unterdrückte Filme auf dem Filmfestival gezeigt werden. Die erfolgreichsten Filme werden mit dem Goldenen und Silbernen Bär ausgezeichnet. Die Trophäen wurden von der Berliner Künstlerin Renée Sintenis (1888-1965) erschaffen. Seit 1951 werden sie vom Traditionsunternehmen Hermann Noak gefertigt.

Wichtige internationale Filmauszeichnungen

Die Golden Globe Awards zählen zu sein begehrtesten Auszeichnungen für Kinofilme und Fernsehsendungen. Seit 1944 werden sie vom Verband der Hollywood-Auslandspresse (HFPA) vergeben: Über die Vergabe entscheidet eine Gruppe von 90 internationalen Journalisten, die seit langem in Hollywood arbeiten. Die Preise werden in Form einer goldenen Erdkugel in 25 Kategorien vergeben. Die Zeremonie der Preisverleihung findet traditionell im Rahmen eines Gala-Dinners statt, dass als "fröhlichste Party Hollywoods" gilt. In den USA gelten sie als wichtigster Fernsehpreis nach den Emmys: Diese werden werden seit 1949 in mittlerweile 91 Kategorien vergeben. Zudem gelten die Golden Globes als Testlauf für den wichtigsten Filmpreis der Welt - den Oscar.

Der Oscar ist 35 Zentimeter hoch, vier Kilogramm schwer und mit Gold überzeugen. Er gilt als begehrtester Filmpreis der Welt und wird seit 1929 in mittlerweile 30 Kategorien vergeben. Verliehen wird der von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) in Los Angeles vergeben. Allein die Nominierungen, die traditionell einen Monat vor der Verleihung von AMPAS bekannt gegeben werden, gelten schon als besondere Ehre. Seit 1981 wird zudem traditionell am Abend vor der Oscar-Verleihung die Goldene Himbeere vergeben. Der Negativpreis in verschiedenen Kategorien wird für die jeweils schlechteste Leistung des Jahres vergeben. 

Weitere international bedeutende Filmauszeichnungen sind der Goldene Bär der Berlinale, der Goldene Löwe von Venedig sowie die Goldene Palme von Cannes. Zu den wichtigsten deutschen Medienpreisen gehören neben dem Deutschen Fernsehpreis auch das Bambi, der Grimme-Preis sowie der Deutsche Comedy-Preis und der Bayerische Fernsehpreis.

Die Internationale Filmfestspiele von Venedig gelten als ältestes Filmfestival der Welt, das immer noch an einem Ursprungsort stattfindet. Es wurde 1932 gegründet und zählt zu den sogenannten A-Festivals sowie neben der Berlinale und Cannes zu den drei wichtigsten Filmfestspielen der Welt. Das Festival ging vermutlich auf eine kommerzielle Idee des italienischen Grafen Guiseppe Volpi, dem Besitzer des Hotels "Excelsior" auf dem Lido. Mit dem Filmfestival suchte er nach einer Möglichkeit, die sommerliche Touristensaison zu verlängern. Heute ist das Festival ein Teil der Biennale - einer internationalen Kunstausstellung, die auch Veranstaltungen rund um Musik, Theater oder Architektur organisiert.

Das Internationale Filmfestival von Locarno gehört als A-Festival zu den wichtigsten Filmfestivals in Europa. Seit August 1946 pilgern alljährlich im August die Zuschauer in die Stadt am Lago Maggiore in der italienischen Schweiz. Ursprünglich war das Filmfest als Anreiz für den Tourismus gedacht - heute setzt das Publikumsfestival vor allem auf den finnischen Nachwuchs. Seit 1968 wird als Hauptpreis der "Goldene Leopard" ("Pardo d'oro") verliehen. Das Preisgeld über 90.000 Schweizer Franken (etwa 75.000 Euro) geht dabei zu gleichen Teilen den Regisseur und den Produzenten des Siegerfilms.

Einige bedeutende Regisseure von Weltformat wie Roberto RoselliniClaude Chabrol oder Milos Forman erhielten hier ihre ersten Auszeichnungen. Sein besonderes Profil erhält das Festival durch seine abendlichen Vorführungen auf dem "Piazza Grande" - dem Renaissance-Marktplatz von Locarno.

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Musikalische Höhepunkte des Wiener Gesellschaftslebens

Der Wiener Opernball ist der Höhepunkt in der österreichischen Ballsaison und gilt mit seinen rund 12.000 Besuchern als größter Treffpunkt der Alpenrepublik für Kunstschaffende, Unternehmer und Politiker aus dem In- und Ausland. Der erste Opernball unter seinem heutigen Namen fand bereits am 26. Januar 1935 zugunsten der Winterhilfe statt. Allerdings blickt er auf eine wesentlich längere Tradition zurück: Bereits im 18. Jahrhundert veranstalteten verschiedene Kaiser verschiedene Tanz- und Musikveranstaltungen in Wien, um ihre Untertanen bei Laune zu halten. Heute ist das Fest im größten Ballsaal der Welt in der Wiener Staatsoper vor allem für seine Mischung aus Prominenz, Pomp und Prinzessinnentraum bekannt.

Das wohl schönste Bild ist die perfekt einstudierte Choreographie der 100 Debütanten-Paare, die den Opernball eröffnen. Aber auch prominente Politiker, Staatsoberhäupter oder Hollywood-Sternchen sorgten in den vergangenen Jahren für Aufsehen - darunter etwa König Juan Carlos I. von Spanien, der französische Spitzenpolitiker Jacques Chirac, die italienische Schauspielerin Sophia Loren oder der spanische Startenor Plácido Domingo. Nicht immer begeistert sind die Organisatoren hingegen von der bezahlten Boulevard-Prominenz für deren Auftritt als Gäste des österreichischen Bauunternehmers Richard ("Mörtel") Lugner - wie beispielweise die Serienschauspielerin Pamela Anderson oder die Hotelerbin Paris Hilton.

Neben dem Opernball zählt das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker zu den bekanntesten Neujahrskonzerten der Welt. Musikalisch ist es vor allem den Werken der Strauß-Dynastie gewidmet. Das Konzert wird derzeit in 92 Länder übertragen und von mehr als 50 Millionen Zuschauern live gesehen. Seit 1959 wird das Konzert vom ORF übertragen.

Bad Ishl ist Kulturhauptstadt Europas 2024 (Quelle: Bild von Elsemargriet auf Pixabay)

Kulturhauptstadt Europas

Seit 1985 erhält mindestens eine europäische Stadt für ein Kalenderjahr den Titel der "Kulturhauptstadt Europas". Das Ziel soll es sein, den "Reichtum, die Vielfalt und die Gemeinsamkeiten des kulturellen Erbes in Europa herauszustellen und einen Beitrag zu einem besseren Verständnis für die Bürger Europas füreinander zu leisten". Verliehen wird der Titel durch den Europäischen Rat auf Empfehlung der Europäischen Kommission.

Um die neuen EU-Mitgliedstaaten einzubinden, sollen bis zum Jahre 2019 in der Regel jährlich zwei Titelträger - jeweils aus einem alten und einem neuen EU-Staat - ernannt werden. Inzwischen dürften aber auch Nicht-EU-Mitglieder teilnehmen. Als erste Kulturhauptstadt wurde im Jahre 1985 die griechische Hauptstadt Athen gewählt. Berlin führte 1988 als erste deutsche Stadt den Titel - gefolgt von Weimar im Jahre 1999 und dem Ruhrgebiet im Jahre 2010. Für 2024 tragen die europäischen Städte Bad Ischl (Österreich), Bodø (Norwegen) und Tartu (Estland) den Titel.

Geografie: Von den Tiefen der Erde auf das Dach der Welt

Europa

Europa bildet gemeinsam mit Asien die eurasische Landmasse. Es gilt aber allgemein als eigenständiger Kontinent, der etwa einem Fünftel der Landmasse in Anspruch nimmt. So ist Europa zwar der zweitkleinste Kontinent der Welt, besitzt aber die drittgrößte Bevölkerung aller Kontinente. Politisch besteht es derzeit aus 47 souveränen Staaten. Dazu kommen abhängige Gebiete mit innerer Autonomie - darunter ÅlandFäröer oder Grönland. Geographisch ist der europäische Kontinent stark zergliedert. Höchster Punkt ist der Mont Blanc mit 4.792 Meter.

Afrika

Afrika ist der zweitgrößte Kontinent nach Asien der Erde mit derzeit etwa 16 Prozent der Weltbevölkerung. Im Altertum bezeichnete "Africa" nur das Gebiet um das heutige Tunesien, zurückgehend au den römischen Senator Publius Cornelius Scipio Africanus. Heute ist der Erdteil von der kulturellen Vielfalt seiner Völker, dem Erbe des Kolonialismus und den Folgen der Armut geprägt. Der längste Strom des Kontinents ist der Nil mit 6.671 Kilometern. Das Kilimandscharo-Massiv ist mit 5.895 Metern das höchste Bergmassiv des Kontinents. Auf der Basis der "Out-of-Africa-Theorie" gilt Afrika heute als "Wiege der Menschheit".

Amerika

Der amerikanische Doppelkontinent erstreckt sich auf einer Länge von etwa 15.000 Kilometern von Nord nach Süd. Klassisch wird er in Nordamerika (einschließlich Zentralamerika) und Südamerika aufgeteilt. Der Name geht auf den Italiener Amerigo Vespucci (1451-1512) zurück, der den Kontinent erstmals als eigenständigen Erdteil definierte. Höchster Berg Amerikas ist der Aconcagua in den chilenischen Anden mit 6.962 Metern. Längster Fluss Amerikas ist der Amazonas mit 6.448 Kilometern. Er ist zudem der wasserreichste Fluss der Erde und befördert mehr Wasser als NilMississippi River und Jangtse zusammen.

Asien

Asien ist der größte Kontinent der Erde und umfasst etwa ein Drittel der Landmasse. Zudem leben in Asien etwa 60 Prozent der gesamten Weltbevölkerung. Der Name Asiens leitet sich vom assyrischen Wort "Assu" ("Sonnenaufgang") ab. Längster Fluss des Kontinents ist der Jangtsekiang - er ist gleichzeitig auch der drittgrößte Strom der Erde. Zudem befindet sich in Asien mit dem Himalaya der größte Gebirgszug der Welt. Höchster Gipfel der Welt ist der Mount Everest mit 8.848 Metern. Asien ist zudem eine Wiege der Hochkulturen - beispielsweise in MesopotamienIndienChina oder Japan. Auch alle Weltreligionen entstanden in Asien.

Ozeanien

Ozeanien bezeichnet die kulturelle und wirtschaftliche Zusammengehörigkeit der Inselwelt im Pazifik. Dazu gehören derzeit über 7.500 Inseln mit einer Landmasse von 1,3 Millionen Quadratkilometern auf einem Meeresgebiet von 70 Millionen Quadratkilometern. In Bezug auf die Landmasse ist Ozeanien der kleinste Kontinent der Welt. Tektonisch ist es kein eigenständiger Kontinent, da die Inseln auf verschiedenen Erdplatten liegen. Im engeren Sinne gehören die Inseln und Inselgruppen PolynesienMelanesien und Mikronesien zu Ozeanien - im weiteren Sinne auch Australien und Papua-Neuguinea. Häufig wird auch Australien als eigenständiger Kontinent gewertet.

Antarktis

Die Antarktis umfasst die Meeres- und Landgebiete rund um den Südpol. Im Zentrum der Region liegt der Kontinent Antarktika - auch Südkontinent genannt. Gemäß des Antarktis-Vertrages von 1959 darf der Kontinent nur zur friedlich und wissenschaftlich genutzt werden. Dabei soll das ökologische Gleichgewicht gewahrt werden - militärische Operationen und Abbau von Bodenschätzen sind verboten. Derzeit werden dort etwa 45 Milliarden Barrel Erdöl, 115 Billionen Kubikmeter Erdgas, Kohle, Titan-, Chrom-, Eisen- und Kupfererz sowie Uranerz vermutet. Auch Platin- und Goldvorkommen wurden in der Antarktis gefunden.

Arktis

Die Arktis ist eine meist eisbedeckte Land- und Meeresfläche rund um den geografischen Nordpol, der reich an Bodenschätzen ist. Insbesondere Erdöl, Erdgas, Kohle, Eisen, Silber, Zink und Gold sind hier vorhanden. Die fünf Anrainerstaaten streiten sich allerdings um das etwa 26 Millionen Quadratkilometer große Gebiet. Bereits in den 1920er-Jahren zog Kanada seine Grenzen bis zum Nordpol. Danach beanspruchten die ehemalige Sowjetunion, die USADänemark mit Grönland und Norwegen mit Spitzbergen ihr "Tortenstück" von ihren Küsten bis zum Pol.

Der größte Teil des Nordpolarmeeres wurde bis vor wenigen Jahren als internationales Gebiet angesehen. Nach dem Internationalen Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) vom 10. Dezember 1982 können Staaten bei der UNO über ihre 200 Seemeilen reichende Wirtschaftszone hinaus Hoheitsrechte beantragen. In diesem "Juristischen Kontinentalschelf" ist die Ausbeutung von Rohstoffen erlaubt. Zudem wurde 1996 der Arktische Rat gegründet: Bei diesem handelt sich um ein zwischenstaatliches Forum, das einen Ausgleich zwischen arktischen Anrainerstaaten und den indigenen Völkern finden soll. Zudem sollen der Klimaschutz und die Sicherheit in der Region gefördert sowie Forschungsvorhaben und Entwicklungsprojekte koordiniert werden.

Weitere Informationen

Geographische Rekorde

Der höchste Punkt der Erde: Der Mount Everest

Mit 8.848,86 Metern gilt der Mount Everest im Himalaya als höchster Berg der Erde. Er gehört zu den 14 Achttausendern und zu den Seven Summits. Der Berg ist seit 1856 nach dem britischen Landvermesser George Everest benannt. Heute gilt der Mount Everest als begehrtes Ziel für Bergsteiger. Die ersten Versuche wurden in den 1920er-Jahren unternommen. Allerdings dauerte es bis zum 29. Mai 1953, als Edmund Hillary und Tenzing Norgay im Rahmen der neunten britischen Mount-Everest-Expedition als erste Menschen auf dem Gipfel standen. Seit den 1960er Jahren wurden zahlreiche neue Routen eröffnet. Schätzungen zufolge sind bis heute rund 300 Menschen beim Versuch, den Berg zu erklettern, ums Leben gekommen.

Quelle: Statista

Die tiefste Stelle der Erde: Der Marianengraben

Als tiefste Senke der Erdoberfläche gilt der Marianengraben im westlichen Pazifik. Er zieht sich an der Nahtstelle zweier Erdplatten entlang über eine Länge von rund 2.000 Kilometern. Die größte hier bislang ausgelotete Meerestiefe beträgt in der sogenannten Witjastiefe etwa 11.034 Meter. Der Mount Everest als höchster Berg der Erde würde somit vollständig darin verschwinden - und sich trotzdem noch etwa zwei Kilometer unter der Wasseroberfläche befinden. Der Wasserdruck beträgt am tiefsten Punkt 1.170 bar. Am 23. Januar 1960 tauchten der Schweizer Jacques Piccard und der US-Amerikaner Don Walsh als erste Menschen mit dem Tauchboot Trieste auf eine Tiefe von 10.916 Meter in den Graben hinab. Im Marianengraben befinden sich noch weitere Tiefs: das Challengertief mit 10.994 Metern, das Triestetief mit 10.916 Metern und das HMRG-Tief mit 10.809 Metern.

Die trockenste Wüste der Erde: Die Atacama-Wüste

Die Atacama-Wüste, kurz Atacama, erstreckt sich entlang der Pazifikküste Südamerikas erstreckt sich vom 18. bis 27. Breitengrad über eine Strecke von 1.200 Kilometern und gilt als trockenste Wüste der Welt. Die durchschnittlichen Niederschlagshöhen liegen bei etwa 0,5 Millimeter - allerdings gibt es Stellen, wo seit Jahren kein Regen mehr registriert wurde. Der Grund: Sie liegt im Regenschatten der Anden. Zudem verhindert nahe der Küste eine kalte Meeresströmung, der Humboldtstrom, die Entwicklung von Regenwolken.

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Schloss Bellevue. Quelle: Bild von Armin Forster auf Pixabay

Kanzler und Präsidenten: Die politischen Entscheidungsträger Deutschlands

Die deutschen Bundespräsidenten: Von Theodor Heuss bis Frank-Walter Steinmeier

Verfassungsgemäß ist der Bundespräsident das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik  Da seine politische Macht allerdings eher beschränkt ist, sind seine Aufgaben daher repräsentativer Natur. So vertritt er die Bundesrepublik völkerrechtlich, er ernennt und entlässt den Bundeskanzler und die Bundesminister sowie die Bundesbeamten. Als "oberster Bundesnotar" kann er zudem die Unterschrift bei Gesetzen aus verfassungsrechtlichen Gründen verweigern. Allerdings muss der Bundespräsident sein Amt verfassungsgemäß überparteilich ausüben. 

Er wird für eine Amtszeit von fünf Jahren von der Bundesversammlung gewählt. Nach Ablauf der Amtszeit ist eine einmalige Wiederwahl möglich. Unterstützt wird das deutsche Staatsoberhaupt vom Bundespräsidialamt - der obersten deutschen Bundesbehörde. Die etwa 180 Mitarbeiter unterstützen den Bundespräsidenten in seiner Arbeit; so informieren sie ihn unter anderem über über alle wichtigen politischen und wirtschaftlichen Themen oder bereiten Entscheidungen und Reden vor. Seit Gründung der Bundesrepublik am 23. Mai 1949 gab es bislang zwölf Bundespräsidenten - von Theodor Heuss bis Frank-Walter Steinmeier.

Deutschlands erster Bundespräsident Theodor Heuss (1949-1959) prägte das Amt wie kaum ein anderer: Der Liberale konnte dem Amt durch seine weitgehend überparteiliche Amtsausübung sowie durch und konnte durch seinen demokratischen und kulturellen Hintergrund auch im Ausland Vertrauen in den neuen deutschen Staat schaffen.

Dessen Nachfolger Heinrich Lübke (1959-1969) erwarb sich vor allem Verdienste als Besucher und Fürsprecher der Entwicklungsländer. Zudem versuchte er die Politik aktiv mitzugestalten, indem er beispielsweise Gesetze nicht unterschrieb, die nicht dem Grundgesetz entsprachen. Allerdings blieben auch viele rhetorische Fehlgriffe während seiner Präsidentschaft in Erinnerung.

Gustav Heinemann (1969-1974) verschrieb sich der "Verankerung der Demokratie und der Ausgestaltung des sozialen Rechtsstaates". Der "Bürgerpräsident" aus Essen bekleidete als erster SPD-Politiker das Amt und gilt als unbequemer Mahner.

Als singender Bundespräsident bleibt Walter Scheel (1974-1979) in der Erinnerung: So war der Rheinländer vor allem wegen seiner leutseligen Art populär. Mit seiner Entscheidung, das Gesetz zur Abschaffung der Gewissensprüfung bei Wehrdienstverweigerern nicht zu unterscheiden, sorgte er zudem für Aufsehen.

Ähnlich wie sein Vorgänger wurde Karl Carstens (1979-1984) als wandernder Bundespräsident populär. Zu Beginn seiner Amtszeit war der Jurist wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP einigen Feindseligkeiten ausgesetzt.

Der erste gesamtdeutsche Bundespräsident Richard von Weizäcker (1984-1994) beeinflusste wie kaum ein anderer durch seine Reden das politische Klima in Deutschland. Besonders eine Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985 brachte ihm großen internationalen Respekt, aber auch Kritik aus den konservativen Kreisen ein. Wie kein anderer Bundespräsident agierte von Weizäcker zudem nach der Maxime der Überparteilichkeit. Erstmals in der deutschen Geschichte hatte der Spross einer pfälzisch-württembergischen Adelsfamilie bei seiner Wiederwahl 1989 keinen Gegenkandidaten.

Bekannt wurde Roman Herzog (1994-1999) vor allem durch seine "Ruck-Rede", mit welcher der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts die Politik kritisierte. Er begründete damit die Tradition der Berliner Rede, die von seinen Nachfolgern fortgeführt wurde.

Gemäß seinem Lebensmotto "Versöhnen statt spalten" trat Johannes Rau (1999-2004) für das Zusammenleben von Deutschen und Ausländern ein. Historisch war zudem seine Rede vor dem israelischen Parlament (Knesset) als er um Vergebung für die Verbrechen des Holocaust bat.

Der Ökonom Horst Köhler (2004-2010) war der erste Seiteneinsteiger an der Spitze des Staates. Manche trauten dem ehemaligen Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) daher auch eine größere Unabhängigkeit und Distanz zu. Nach Kritik an missverständlichen Äußerungen zum deutschen Afghanistan-Einsatzes trat Köhler jedoch am 31. Mai 2010 völlig überraschend mit sofortiger Wirkung zurück.

Mit Christian Wulff wurde der bislang jüngster Bundespräsident seit Bestehen der Bundesrepublik zum Staatsoberhaupt gewählt. Zu Beginn seiner Amtszeit setzte der frühere Ministerpräsident von Niedersachsen Akzente in der Debatte um die deutsche Integrationspolitik. Ende 2011 geriet Wulff jedoch wegen seiner Kredit- und Medienaffäre zunehmend in Kritik. Am 17. Februar 2012 trat er schließlich vorzeitig vom Amt des Bundespräsidenten zurück. Mit 598 Tagen hatte Wulff zudem die bislang kürzeste Amtszeit aller Bundespräsidenten inne.

Zu seinem Nachfolger wurde am 18. März 2012 der Theologe Joachim Gauck gewählt. Der frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen war zum Zeitpunkt seiner Wahl nicht nur der bislang älteste Amtsinhaber. Zudem war er der erste parteilose sowie ostdeutsche Bundespräsident. Vor seiner Amtszeit engagierte sich Gauck gesellschaftspolitisch mit Vorträgen und Medienaktivitäten für die Demokratie - darunter auch als Vorsitzender des Vereins "Gegen Vergessen - Für Demokratie".

Mitte Februar 2017 wurde der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier zum  Bundespräsidenten gewählt. Der studierte Jurist und politische Quereinsteiger begann seine politische Karriere unter dem früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten und späteren Bundeskanzler Gerhard Schröder. Als Kanzleramtsminister war Steinmeier maßgeblich an der Entwicklung der Agenda 2010 beteiligt. Zwischen 2007 und 2009 sowie von 2013 bis 2017 hatte Steinmeier das Amt des Bundesaußenministers inne. In diesem Amt erarbeitete er sich schnell den Ruf eines Krisenmanagers, der bei vielen internationalen Konflikten vermittelte. Bei den Bundesbürgern erfreute er sich zudem außergewöhnlicher Beliebtheit.

Kurzinformation: Die Bundesversammlung - das Wahlgremium des Bundespräsidenten

Die Bundesversammlung ist die größte parlamentarische Versammlung der Bundesrepublik Deutschland. Dem Verfassungsorgan gehörten 2022 insgesamt 1.472 Delegierte an: neben den Mitgliedern des Deutschen Bundestages sowie der gleichen Anzahl von Delegierten, die von den Landesparlamenten gewählt werden. Darunter zählen aber nicht nur Politiker, sondern auch prominente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Ihre einzige Aufgabe ist die Wahl des Bundespräsidenten, die für gewöhnlich alle fünf Jahre stattfindet. 

Der Wahlvorgang ist in Artikel 54 des Grundgesetzes sowie im Gesetz über die Wahl des Bundespräsidenten geregelt. Das Gremium wird vom Bundestagspräsidenten einberufen, der gleichzeitig auch den Vorsitz inne hat. Zudem gilt in der Regel die Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages. Seit der Wiedervereinigung finden die Bundesversammlungen im Reichstagsgebäude in Berlin statt.

Weitere politische Ämter von Theodor Heuss
Bundesvorsitzender der Freien Demokratischen Partei (FDP) 1948-1949;
Minister für Kultus, Jugend und Sport in Württemberg-Baden 1945;
Vorsitzender der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag 1949

Weitere politische Ämter von Heinrich Lübke
Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 1953-1959;
Minister für Umwelt und Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen 1947-1953

Weitere politische Ämter von Gustav Heinemann
Bundesminister des Inneren 1949-1950;
Bundesminister der Justiz 1966-1969;
Minister der Justiz in Nordrhein-Westfalen 1947-1948;
Oberbürgermeister von Essen 1946-1949

Weitere politische Ämter von Walter Scheel
Bundeskanzler 1974; Vizekanzler 1969-1974; Bundesminister des Auswärtigen 1969-1974;
Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit 1961-1966;
Bundesvorsitzender der Freien Demokratischen Partei (FDP) 1968-1974

Weitere politische Ämter von Karl Carstens
Chef des Bundeskanzleramtes 1968-1969;
Präsident des Deutschen Bundestages 1976-1979;
Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag 1973-1976

Weitere politische Ämter von Richard von Weizäcker
Regierender Bürgermeister von Berlin 1981-1984;
Landesvorsitzender der CDU Berlin 1981-1983

Weitere politische Ämter von Roman Herzog
Minister des Inneren in Baden-Württemberg 1980-1983;
Minister für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg 1978
Präsident des Bundesverfassungsgerichts 1987-1994

Weitere politische Ämter von Johannes Rau
Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen 1978-1998;
Minister für Kultur und Wissenschaft in Nordrhein-Westfalen 1970-1978;
Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten in Nordrhein-Westfalen 1980 und 1990-1995;
Bundesvorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) 1993
Landesvorsitzender der SPD Nordrhein-Westfalen 1977-1998;
Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag Nordrhein-Westfalen 1967-1970;
Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal 1969-1970;
Präsident des Bundesrates 1982-1983 und 1994-1996

Weitere politische Ämter von Christian Wulff
Ministerpräsident von Niedersachsen 2003-2010;
Landesvorsitzender der CDU Niedersachsen 1998-2008

Weitere politische Ämter von Frank-Walter Steinmeier
Vizekanzler 2007-2009; Bundesminister des Auswärtigen 2005-2009 und 2013-2017;
Chef des Bundeskanzleramtes 1999-2005; Leiter der Staatskanzlei in Niedersachsen 1996-1998

Kurzinformation: Die Villa Hammerschmidt

Die Villa Hammerschmidt ist der Amtssitz des Bundespräsidenten in der Bundesstadt Bonn. Das "Weiße Haus am Rhein" wird von den deutschen Staatsoberhäuptern aber kaum noch genutzt. Denn seit 1994 ist Schloss Bellevue im Großen Tiergarten der erste Amtssitz.

Das Haus mit gepflegtem Park am Rheinufer liegt neben dem Palais Schaumburg - dem zweiten Dienstsitz der Bundeskanzlers in Bonn. Erbaut wurde die Villa Mitte des 19. Jahrhunderts. Die ersten Eigentümer waren wohlhabende Industrielle. Bonn galt damals auch wegen des milden Klimas als "Rheinische Riviera". Die Villa war ein gesellschaftlicher Mittelpunkt.

Die Bundesrepublik Deutschland erwarb die Liegenschaft im April 1950 von den Erben des Zuckerfabrikanten und Geheimen Kommerzienrats Rudolf Hammerschmidt. In der Folgezeit wurde die spätklassizistische Villa wurde als Amts- und Wohnsitz des Bundespräsidenten hergerichtet.

Bundeskanzleramt in Berlin (Quelle: Pixabay)

Die deutschen Bundeskanzler - von Konrad Adenauer bis Olaf Scholz

Der deutsche Bundeskanzler ist gemäß der Verfassung der mächtigste Amtsträger in der Bundesrepublik, obwohl er in der protokollarischen Rangordnung Deutschlands erst an dritter Stelle steht. Als Regierungschef bestimmt er die Richtlinien der deutschen Politik und schlägt zudem die einzelnen Bundesminister vor. Er wird vom Deutschen Bundestag für vier Jahre gewählt. Vor Ablauf der Amtsperiode kann er nur durch ein konstruktives Misstrauensvotum abgelöst werden.

Die Amtszeit Konrad Adenauers (1949-1963) war vor allem durch außenpolitische Ereignisse geprägt. Neben der Westbindung mit dem Beitritt zur NATO und der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) standen in dieser Zeit vor allem die deutsch-französische Aussöhnung und die deutsch-jüdische Versöhnung im Mittelpunkt seiner Außenpolitik. Innenpolitisch war seine Regierungszeit vom wirtschaftlichen Aufschwung Westdeutschlands - dem sogenannten "Wirtschaftswunder" - geprägt.

"Es ist die Schicksalsfrage Deutschlands. Wir stehen vor der Wahl zwischen Sklaverei und Freiheit. Wir wählen die Freiheit!"

Konrad Adenauer (CDU), Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland (1949-1961)

Adenauers Nachfolger Ludwig Erhard (1963-1966) - Vater des Wirtschaftswunders - war als Bundeskanzler eher glücklos. Seime Amtszeit dauerte gerade mal drei Jahre. Sein Nachfolger Kurt-Georg Kiesinger (1966-1969) bildete 1966 die erste Große Koalition von CDU/CSU und SPD in der bundesdeutschen Geschichte. Im Mittelpunkt seiner dreijährigen Amtszeit stand vor allem die Durchsetzung der Notstandsgesetze.

Im Jahre 1969 zog mit Willy Brandt (1969-1974) der erste Sozialdemokrat in das Kanzleramt ein. Während seiner Amtszeit setzte er sich vor allem für die Ostverträge und die damit verbundene Aussöhnung mit den östlichen Nachbarn ein. Auch die Beziehungen zur DDR stellte er auf eine neue Grundlage. Mit der Enttarnung seines engsten Mitarbeiters Günter Guillaume als DDR-Spion trat Brandt am 6. Mai 1974 zurück.

"Wir wollen mehr Demokratie wagen."

Willy Brandt (SPD), Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland 1969-1974

Die Kanzlerschaft von Helmut Schmidt (1974-1982) war vor allem durch den Terror der Rote Arme Fraktion (RAF) - insbesondere im Deutschen Herbst 1977 - geprägt. Innenpolitisch verfolgte Schmidt einen eher konservativen Kurs. Die Unterstützung des Kanzlers für den NATO-Doppelbeschlusses brachte ihm zudem viel Kritik aus den eigenen Reihen ein.

"Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen."

Helmut Schmidt (SPD), Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland  1974-1982

Am 1. Oktober 1982 wurde Helmut Schmidt als erster und bislang einziger Bundeskanzler durch ein konstruktives Misstrauensvotum von Helmut Kohl (1982-1998) abgelöst. Mit einer Amtszeit von 16 Jahren ist er der bislang am längsten amtierende Bundeskanzler in der Geschichte. Ihren Höhepunkt fand sie zweifellos in der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990. Das Ende seiner Kanzlerschaft wurde hingegen durch die CDU-Spendenaffäre überschattet.

Unter Gerhard Schröder wurde erstmals eine rot-grüne Regierungskoalition auf Bundesebene gebildet. Innenpolitisch war seine siebenjährige Amtszeit (1998-2005) vor allem durch eine Reihe von Reformprojekten - darunter der Agenda 2010 - geprägt. Außenpolitisch knüpfte Schröder - mit Ausnahme des Irak-Krieges 2003 - an die transatlantische Partnerschaft seiner Vorgänger an.

Mit Angela Merkel wurde am 22. November 2005 erstmals eine Frau zur Bundeskanzlerin gewählt. Bei ihrem Amtsantritt war die Naturwissenschaftlerin zudem mit 51 Jahren die jüngste Amtsinhaberin und die erste ehemalige DDR-Bürgerin im Kanzleramt - zunächst gestützt auf eine Große Koalition zwischen CDU/CSU und Sozialdemokraten. Von 2009 bis 2013 regierte Merkel in einer Koalition mit den Liberalen von der FDP. Als größte Herausforderung ihrer Kanzlerschaft gelten die Verringerung der Arbeitslosigkeit sowie die Bewältigung der Finanz- und Euro-Krise. Hinzu kommen die Flüchtlingskrise und die Corona-Pandemie.

Ihr Nachfolger Olaf Scholz ist seit 1949 der vierte Sozialdemokrat im Amt des deutschen Bundeskanzlers. Der frühere Erste Bürgermeister der Freien Hansestadt Hamburg sowie ehemalige Vizekanzler und Bundesminister steht der ersten Ampelkoalition auf Bundesebene in der Geschichte der Bundesrepublik vor. Politisch wird Scholz eher dem rechten Flügel der SPD zugerechnet.

Weitere politische Ämter von Konrad Adenauer
Bundesminister des Auswärtigen 1951-1955;
Oberbürgermeister der Stadt Köln 1917-1933 und 1945;
Bundesvorsitzender der Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 1950-1966

Weitere politische Ämter von Ludwig Erhard
Vizekanzler 1957-1963; Bundesminister für Wirtschaft 1949-1963;
Bundesvorsitzender der Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 1966-1968

Weitere politische Ämter von Kurt Georg Kissinger
Ministerpräsident von Baden-Württemberg 1958-1966;
Präsident des Bundesrates 1962-1963

Weitere politische Ämter von Willy Brandt
Vizekanzler 1966-1969; Bundesminister des Auswärtigen 1966-1969;
Regierender Bürgermeister von Berlin 1957-1966;
Präsident des Bundesrates 1957-1958; Präsident des Abgeordnetenhauses Berlin 1955-1957;
Bundesvorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) 1976-1992;
Landesvorsitzender der SPD Berlin 1958-1963

Weitere politische Ämter von Helmut Schmidt
Bundesminister der Verteidigung 1969-1972; Bundesminister der Finanzen 1972-1974;
Bundesminister des Auswärtigen 1982;
Vorsitzender der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag 1967-1969;
Senator für Inneres und Polizei der Freien und Hansestadt Hamburg 1961-1965

Weitere politische Ämter von Helmut Kohl
Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz 1969-76;
Bundesvorsitzender der Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 1973-1998;
Landesvorsitzender der CDU-Rheinland-Pfalz 1966-1974;
Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag 1976-1982;
Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz 1963-1969

Weitere politische Ämter von Gerhard Schröder
Ministerpräsident von Niedersachsen 1990-1998;
Bundesvorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) 1999-2004;
Landesvorsitzender der SPD Niedersachsen 1994-1998;
Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag Niedersachsen 1986-1990;
Präsident des Bundesrates 1997-1998

Weitere politische Ämter von Angela Merkel
Bundesministerin für Frauen und Jugend 1991-1994;
Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit 1994-1998;
Bundesvorsitzende der Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 2000-2018;
Generalsekretärin der Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 1998-2000;
Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag 2002-2005

Weitere politische Ämter von Olaf Scholz
Vizekanzler 2018-2021; Bundesminister für Arbeit und Soziales 2007-2009;
Bundesminister der Finanzen 2018-2021; 
Erster Bürgermeister  der Freien und Hansestadt Hamburg 2011-2018;
Innensenator der Freien und Hansestadt Hamburg 2001;
Generalsekretär der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) 2002-2004;
Landesvorsitzender der SPD Hamburg 2000-2004 und 2009-2018

Weitere herausragende deutsche Politiker
Kurt Schumacher (geb. am 13.10.1895 - gest. am 20.08.1952)
Bundesvorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) 1946-1952;
Vorsitzender der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag 1949-1952

Erich Ollenhauer (geb. am 27.03.1901 - gest. am 14.12.1963)
Bundesvorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) 1952-1963;
Vorsitzender der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag 1952-1963

Hans-Jochen Vogel (geb. am 03.02.1926 - gest. am 26.07-2020)
Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau 1972-1974;
Bundesminister der Justiz 1974-1981; Regierender Bürgermeister von Berlin 1981;
Oberbürgermeister von München 1960-1972; Landesvorsitzender der SPD Bayern 1972-1974
Vorsitzender der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag 1983-1991;
Vorsitzender der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhauses von Berlin 1981-1983

Wolfgang Mischnik (geb. am 29.09.1921 - gest. am 06.10.2002)
Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte 1961-1963;
Vorsitzender der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag 1968-1990;
Landesvorsitzender der FDP Hessen 1967-1977

Hans-Dietrich Genscher (geb. am 21.03.1927 - gest. am 31.03.2016)
Vizekanzler 1974-1992; Bundesminister des Inneren 1969-1974;
Bundesminister des Auswärtigen 1974-1992;
Bundesvorsitzender der Freien Demokratischen Partei (FDP) 1974-1985

Norbert Blüm (geb. am 21.07.1935 - gest. am 23.04.2020)
Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung 1982-1998;
Landesvorsitzender der CDU Nordrhein-Westfalen 1987-1999

Rainer Barzel (geb. am 20.06.1924 - gest. am 26.08.2006)
Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen 1962-1963 und 1982-1983;
Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag 1964-1973;
Präsident des Deutschen Bundestages 1983-1984

Rita Süssmuth (geb. am 17.02.1937)
Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit 1985-1988;
Präsidentin des Deutschen Bundestages 1988-1998

Heinrich ("Heiner") Geißler (geb. am 03.03.1930 - gest. am 11.09.2017)
Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit 1982-1985;
Minister für Arbeit und Soziales in Rheinland-Pfalz 1967-1977;
Generalsekretär der Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 1977-1989

Wolfgang Schäuble (geb. am 18.09.1942 - gest. am 26.12.2023)
Chef des Bundeskanzleramtes und Bundesminister für besondere Aufgaben 1984-1989;
Bundesminister des Innern 1989-1991 und 2005-2009;
Bundesminister der Finanzen 2009-2017;
Bundesvorsitzender der Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 1998-2000
Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag 1991-2000;
Präsident des Deutschen Bundestages 2017-2021

Guido Westerwelle (geb. am 27.12.1961 - gest. am 18.03.2016)
Vizekanzler 2009-2011; Bundesminister des Auswärtigen 2009-2013;
Bundesvorsitzender der Freien Demokratischen Partei (FDP) 2001-2011;
Vorsitzender der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag 2006-2009;
Generalsekretär der Freien Demokratischen Partei (FDP) 1994-2001

Joseph Martin ("Joschka") Fischer (geb. am 12.04.1948)
Vizekanzler 1998-2005; Bundesminister des Auswärtigen 1998-2005;
Minister für Umwelt und Energie in Hessen 1985-1987 und 1991-1994;
Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag 1994-1998;
Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Hessen 1987-1991

Gregor Gysi (geb. am 16.01.1948)
Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen in Berlin 2002;
Vorsitzender der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) 1989;
Bundesvorsitzender der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) 1990-1993;
Vorsitzender der PDS-Fraktion/Gruppe im Deutschen Bundestag 1990-2000;
Vorsitzender der Linksfraktion im Deutschen Bundestag 2005-2015

Lothar de Maizière (geb. am 02.03.1941)
Ministerpräsident der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) 1990;
Minister für Auswärtige Angelegenheiten der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) 1990;
Bundesminister für besondere Aufgaben 1990

Thomas de Maizière (geb. am 21.01.1954)
Bundesminister für Inneres und Sport 2009-2011 und 2013-2018;
Bundesminister der Verteidigung 2011-2013;
Chef des Bundeskanzleramtes und Bundesminister für besondere Aufgaben 2005-2009;
Staatsminister für Finanzen in Sachsen 2001-2002;
Staatsminister für Justiz in Sachsen 2002-2004;
Staatsminister des Innern in Sachsen 2004-2005;
Chef der Staatskanzlei Sachsen 1999-2001

Peter Lorenz (geb. am 22.12.1922 - gest. am 06.12.1987)
Landesvorsitzender der CDU Berlin 1969-1981;
Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin 1975-1990

Hanna-Renata Laurien (geb. am 15.04.1928 - gest. am 12.03.2010)
Ministerin für Kultus in Rheinland-Pfalz 1976-1981;
Senatorin für Bildung in Berlin 1981-1989;
Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin 1991-1995

Walter Hallstein (geb. am 17.01.1901 - gest. 29.03.1982)
Präsident der Kommission der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) 1958-1967

Kanzler der Reichseinigung

Otto von Bismarck  zählt zu den bedeutendsten und auch umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Sein Name steht vor allem für die Einführung der Sozialversicherung in Deutschland, den Kampf gegen die Sozialdemokraten ("Sozialistengesetz") und die katholische Kirche ("Kulturkampf"). Durch seine von "Blut und Eisen" geprägte Kriegspolitik erlangte Preußen die unangefochtene Vormachtstellung in Kontinental-Europa. Als Ministerpräsident von Preußen (1862-1890) und als Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes (1867-1871) war von Bismarck maßgeblich an der Gründung des Deutschen Reiches beteiligt. Dabei setzte er sich sogar über das Parlament hinweg. 

Im Deutsch-Dänischen Krieg und im Deutschen Krieg zwischen 1864 und 1866 konnte Bismarck zudem die Deutsche Frage im kleindeutschen Sinne unter der Vorherrschaft Preußens lösen. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 war der preußische Ministerpräsident zudem die treibende Kraft bei der Gründung des Deutschen Reiches am 18. Januar 1871 als Teil seiner "Bündnispolitik".

Quelle: Historyin90Seconds auf Youtube

Im gleichen Jahr wurde er schließlich von Kaiser Wilhelm I. (1871-1888) zum ersten Reichskanzler berufen. Während seiner Kanzlerschaft trieb es maßgeblich die Einführung der Sozialversicherung in Deutschland ein. Am 15. März 1890 wurde Otto von Bismarck wegen Meinungsverschiedenheiten von Kaiser Wilhelm II. (1888-1918) entlassen.

Bedeutende Politiker der deutschen Bundesländer

Baden-Württemberg

Bayern

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Brandenburg

Bremen

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Mecklenburg-Vorpommern

Niedersachsen

Nordrhein-Westfalen

Rheinland-Pfalz

Saarland

Sachsen

Sachsen-Anhalt

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Weitere Informationen

 Historische Herrscher und Politiker der Weltgeschichte

Ägypten

Mit Pharao Thutmosis III. (1479-1425 v. Chr.) ist vor allem eine Ära der militärischen Auseinandersetzungen und Expansion verbunden. Höhepunkt war die Schlacht bei Megiddo am 26. April 1457 v. Chr. Seine historische Bedeutung in der ägyptischen Geschichte ist jedoch umstritten. Demnach sehen manche Historiker ihn als größten Pharao der gesamten ägyptischen Geschichte und als ersten großen Feldherrn des Orients.

Während der Regierungszeit von Pharao Ramses II. dem Großen (1279-1213 v. Chr.) erlebte das antike Ägypten seine größte wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Durch seine geschickte Diplomatie gelang es ihm außerdem, eine fast fünfzigjährige Friedenszeit mit den Nachbarvölkern Ägyptens. Der Friedensvertrag mit den Hethitern vom 21. November 1259 v. Chr. gilt zudem als ältester bekannter Friedensschluss der Welt. Mit 66 Jahren und zwei Monaten gehört er zu den am längsten regierenden Herrschern der Weltgeschichte.

Die herausragendste Herrscherin des alten Ägypten ist Kleopatra VII. Philopator (51-30 v. Chr.). Ihr Ziel, das Land zu stabilisieren, konnte sie allerdings nicht gegen die Weltmacht Rom durchsetzen. Durch ihre Liebesaffären mit Gajus Julius Cäsar und Marcus Antonius gelang es ihr zwar für einige Zeit, die Machtstellung Ägyptens deutlich zu erhöhen. Mit der militärischen Niederlage gegen den späteren Kaiser Augustus endete ihre Herrschaft. Mit ihrem Selbstmord am 12. August 30 v. Chr. endete die Herrschaft der Pharaonen in Ägypten, das als römische Provinz bis 642 n. Chr. unter römischer und später byzantinischer Herrschaft stand.

Mit der arabischen Eroberung geriet das heutige Ägypten unter islamischen Einfluss und schließlich unter osmanische bzw. britische Herrschaft. 1922 wurde Ägypten als Königreich in die staatliche Unabhängigkeit entlassen. Mit dem Militärputsch vom 23. Juli 1952 endete schließlich die Monarchie. 

Wichtiger Drahtzieher des Staatsstreiches war der Offizier Gamal Abdel Nasser (1918-1970). Nach dem Sturz von König Faruk I. (1936-1952) wurde Nasser zunächst Regierungschef des nordafrikanischen Landes und 1954 schließlich zum Staatspräsidenten von Ägypten gewählt. Diese Position behielt er bis zu seinem Tod im September 1970 inne. Während sich Nasser vor allem der Ideologie des Panarabismus verschrieb, gehörte er außenpolitisch zu den Gründern der Bewegung der blockfreien Staaten. 1958 wurde Nasser zum Präsidenten der sogenannten Vereinigten Arabischen Republik (VAR) gewählt. Bereits 1961 wurde die Union nach einem Putsch der syrischen Streitkräfte wieder aufgelöst.

Persien

Als Gründer des antiken Perserreiches gilt Kyros II. der Große (559-530 v. Chr.). Dank seiner ausgedehnten Expansionspolitik reichte das Achämenidenreich schließlich von Indien über den Iran bis nach Babylon, Kleinasien und Ägypten. Schon bald nach seinem Tod wurde Kyros vor allem wegen seiner religiösen Toleranz als idealer König verklärt.

Unter den Herrschern des alten Persiens gehört Dareios I. der Große (522-486 v. Chr.) zu den bedeutendsten Großkönigen. Seine Verwaltungsreform des Reiches gilt als vorbildhaft. Zudem förderte er die Künste - insbesondere die Architektur. Dazu zählt auch die Gründung von Persepolis. Von besonderer weltpolitischer Bedeutung ist seine militärische Niederlage in der Schlacht von Marathon am 12. September 490 v. Chr., die zu den Höhepunkten der Perserkriege zählt.

Mohammad Reza Schah Pahlavi (1941-1979) war der letzte Schah des modernen Persien. Zu dessen wichtigsten innenpolitischen Maßnahmen gehört neben der Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie die sogenannte Weiße Revolution". Mit seinem Sturz und der Islamischen Revolution im Jahr 1979 endete jedoch die Monarchie in Persien.

Mit Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini (1902-1989) wurde der Iran in eine Islamische Republik mit starken theokratischen Elementen umgewandelt. Chomeinis Politik war vor allem durch seine antiwestliche Linie geprägt. Dabei schreckte er auch nicht vor Terror und Massenhinrichtungen zurück. Die Außenpolitik stand in dessen Regierungsjahren neben der internationalen Isolation vor allem ganz im Zeichen des Ersten Golfkrieges (1980-1988).

Griechenland

In der Zeit des antiken Griechenland gehörte Perikles (490-429 v. Chr.) zu den führenden Staatsmännern Athens. Mit seinem Wirken war er der griechische Politiker am Aufbau der Attischen Demokratie beteiligt. Zudem sicherte er die Vormachtstellung Athens im Attischen Seebund und förderte den Bau der Athener Akropolis. Als Strategos war er zudem mitverantwortlich für den sich anbahnenden innergriechischen Machtkampf mit Sparta und seinen Verbündeten, der schließlich im Peloponnesischen Krieg (431-404 v. Chr.) mündete.

  • Solon (geb. um 640 v. Chr. - gest. um 560 v. Chr.)
    griechischer Lyriker und Staatsmann in Athen
  • Kleisthenes (geb. um 570 v. Chr. - gest. 507 v. Chr.)
    griechischer Staatsreformer in Athen
  • Themistokles (geb. um 525 v.Chr. - gest. um 459 v. Chr.)
    griechischer Staatsmann und Feldherr in Athen; Wegbereiter der Attischen Demokratie
  • Epaminondas (geb. um 418 v. Chr. - gest. am 03.07.362 v. Chr.)
    griechischer Feldherr und Staatsmann in Theben

Mit der römischen Eroberung im Jahr 146 v. Chr. verloren die griechischen Stadtstaaten ihre Unabhängigkeit. Griechenland wurde zunächst römische Provinz und ging schließlich nach der Reichsteilung 395 n. Chr. im Byzantinischen Reich auf. Nach der Eroberung Konstantinopels im Mai 1453 gehörte der größte Teil des griechischen Sprachraums vierhundert Jahre lang zum Osmanischen Reich.  Erst mit der Revolution gegen die osmanische Herrschaft (1821-1829) konnte Griechenland seine staatliche Unabhängigkeit zurückgewinnen. 1832 wurde es in eine Monarchie umgewandelt, die bis 1973 bestand.

Makedonien

König Alexander III. der Große (336-323 v. Chr.) gilt als bedeutendster Herrscher Makedoniens. Zu seinen größten Leistungen zählt die Eroberung des persischen Achämenidenreiches bis zum Indischen Subkontinent. Mit seiner Regentschaft begann auch das Zeitalter des Hellenismus, deren kulturelle Traditionen noch über Jahrhunderte fortdauerten.

Rom

Der römische Staatsmann, Feldherr und Autor Gajus Julius Cäsar (100-44 v. Chr.) entstammte einer alten römischen Patrizierfamilie und stieg schnell zu den führenden Köpfen Roms auf. Als Prokonsul eroberte er zwischen 58 und 51 v. Chr. das freie Gallien. Im anschließenden Römischen Bürgerkrieg (49-45 v. Chr.) errang Cäsar die Alleinherrschaft in Rom und war somit am Untergang der Römischen Republik beteiligt. Sein Name wurde in der Folgezeit zum Bestandteil des Titels aller nachfolgenden Herrscher des römischen Kaiserreichs. Er entlehnt sich außerdem auch in den Titeln "Kaiser" und "Zar".

Cäsars Großneffe und Haupterbe Octavian (63 v. Chr. - 14 n. Chr.) konnte die Machtkämpfe nach der Ermordung Cäsars am 15. März 44. Chr. für sich entscheiden. Unter dem Ehrennamen "Augustus" stieg er schließlich zum ersten Kaiser der römischen Antike auf. Seiner Regentschaft war von einer lang andauernden Friedenszeit - der "Pax Augusta" - geprägt: Diese Zeit brachte Rom, Italien und den meisten Provinzen eine langandauernde Zeit von innerem Frieden, Stabilität, Sicherheit und Wohlstand. Seine Außenpolitik war zudem eher defensiv; von besonderer Bedeutung war jedoch der Verlust von drei römischen Legionen in der Varusschlacht des Jahres 9 n. Chr.

In der römischen Geschichtsschreibung gilt Trajan (98-117 n. Chr.) als bester römischer Princeps ("optimus princeps"). Während seiner Herrschaft erlebte das Römische Reich mit der Eroberung Mesopotamiens, Armeniens und Dakiens seine größte Ausdehnung. Innenpolitisch wollte Trajan mit umfangreichen Sozial- und Baumaßnahmen die Stellung Italiens stärken, während er in den Provinzen die Romanisierung förderte. Mit seinem Vorgänger Nerva begründete Trajan zudem die Epoche des Adoptivkaisertums.

Besonders folgenreich war die Regentschaft von Kaiser Konstantin I. der Große (324-337 n. Chr.). Während er innenpolitisch mehrere Reformen vorantrieb und außenpolitisch auf die Sicherung und Stabilität der Reichsgrenzen setzte. Mit der Konstantinischen Wende leitete er den Aufstieg des Christentums ein. Im Mailänder Edikt garantierte er den Christen die freie Religionsausübung im gesamten Reich und beendete damit die allgemeinen Christenverfolgungen. Zudem verlegte er im Jahre 324 n. Chr. die Residenz des Reiches nach Konstantinopel.

Franken

Ist der nun Deutscher oder Franzose? Oder ist Karl der Große (747/748-814)  gar der "Vater Europas"? Der Enkel des Hausmeiers Karl Martell war jedenfalls der bedeutendste Herrscher aus dem Herrschergeschlecht der Karolinger. Unter seiner Regentschaft (768-814) gelangte das Fränkische Reich zu seiner größten Ausdehnung und Machtentfaltung. Zudem erlangte er am 25. Dezember 800 als erster westeuropäischer Herrscher seit der Antike die Kaiserwürde, die mit ihm erneuert wurde.

Quelle: Phoenix auf Youtube

Byzanz

Als einer der bedeutendsten Herrscher der Spätantike gilt Kaiser Justinian I. der Große (527-565). Seine Regierungszeit markiert einen wichtigen Übergang von der Antike zum Mittelalter und damit von römischer Tradition zu byzantinischer Regierung. Während er sich als "schlafloser Kaiser" um viele innenpolitische Angelegenheiten selbst kümmerte, war seine Außenpolitik von den Auseinandersetzungen mit dem persischen Sassanidenreich sowie einer Rückeroberung der ehemaligen weströmischen Gebiete geprägt. Heute werden er und seine Frau Theodora I. in der orthodoxen Kirche als Heilige verehrt.

Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation (HRR)

Otto I. der Große (936-973) zählt zu den bedeutendsten Herrschern des frühen Mittelalters. Während seiner Regentschaft setzte er die Unteilbarkeit des Königtums durch und schaffte die Grundlagen für das Reichskirchensystem. Mit seiner Kaiserkrönung am 2. Februar 962 begründete er zudem das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Untrennbar verbunden mit seinem Namen ist auch die Gründung des Erzbistums Magdeburg im Jahre 968.

Quelle: Historyin90Seconds auf Youtube

Unter Heinrich IV. (1056-1105) fand der politische Konflikt zwischen dem Kaisertum und dem Papsttum im sogenannten Investiturstreit um die Amtseinsetzung von Geistlichen seinen Höhepunkt. Der Streit eskalierte mit der Exkommunikation im Jahr 1076 durch Papst Gregor VII. (1073-1085). Um daraufhin seine volle Handlungsfähigkeit wiederzuerlangen und den Papst zur Aufhebung des Bannes zu bewegen, zog er Anfang 1077 zum Gang nach Canossa.

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Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) erhielt seinen Beinamen ("Rotbart") in Italien wegen seines rötlich schimmernden Bartes. Seine Regentschaft war vor allem durch den Ausgleich zwischen weltlicher und kirchlicher Macht - basierend auf der Zweischwerterlehre - geprägt. Zudem vertrat Friedrich innenpolitisch den Anspruch höchster königlicher Autorität. Demnach sollte der König selbst einziger Ausgangspunkt für Herrschaftsgewalt sein.

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Eine Ausnahmeerscheinung unter den mittelalterlichen Herrschern ist Friedrich II. (1211/12-1250). Der Kaiser - von seinen Zeitgenossen als "stupor mundi" ("Staunen der Welt") bezeichnet - war hochgebildet und sprach mehrere Sprachen. Zudem war er vielseitig interessiert - vor allem an naturwissenschaftlichen, künstlerischen, philosophischen und theologischen Fragen. So verfasste er auch ein wissenschaftliches Werk über die Falknerei. Seine Kaiseridee war ganz in der staufischen Tradition universell ausgelegt, wobei er aber auf eine Gleichberechtigung mit dem Papst bestand.

Kaiser Karl V. (1519-1556) zählt zu den bedeutendsten Herrschern des Hauses Habsburg und gilt als mächtigster Herrscher seiner Zeit in Europa. Bereits 1516 würde er als "Karl I." zum König von Spanien gekrönt, drei Jahre später zum römisch-deutschen König gewählt. Im Jahre 1520 wurde er zum Kaiser des  Heiligen Römischen Reiches gewählt. Er wurde zugleich als letzter römisch-deutscher König offiziell vom Papst zum Kaiser gekrönt. Während seiner Regentschaft verfolgte Karl das Konzept der Universalmonarchie - der Kaiser hatte Vorrang vor allen Königen. So verstand er sich als Friedenswahrer in Europa, Schützer des Abendlandes vor den Osmanen und sah sich zuständig für den Schutz und die Reform der Kirche. Zudem war seine Herrschaftszeit auch durch den Konflikt mit den Protestanten geprägt.

Preußen

König Friedrich II. der Große von Preußen (1740-1786) - auch bekannt als "Alter Fritz" - zählt zu den bedeutendsten preußischen Herrschern der Geschichte. Als "erster Diener des Staates" gilt er zudem als führender Repräsentant eines aufgeklärten Absolutismus. Sehr zum Missfallen seines Vaters - dem "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. - interessierte er sich mehr für LiteraturMusikPhilosophie und die französische Sprache. Während seiner Regierungszeit galt Friedrich daher auch als großer Förderer der schönen Künste - legendär waren zudem auch seine Tafelrunden, zu deren Gästen auch der französische Philosoph Voltaire zählte. Zudem machte sich Friedrich auch als Feldherr einen Namen: Mit den Schlesischen Kriegen - darunter dem Siebenjährigen Krieg - stieg Preußen als Großmacht in die Pentarchie mit FrankreichGroßbritannienRussland und Österreich auf.

Bayern

Er ist wohl der berühmteste und bekannteste der bayerischen Monarchen: König Ludwig II. von Bayern (1864-1886). Zahlreiche Lieder ranken sich noch heute um das Leben und den Tod des Wittelsbachers. Der bayerische Geheimbund der "Guglmänner" versteht sich noch heute als Hüter der bayerischen Monarchie und hält auch die Verschwörungstheorien um Ludwigs Tod am 13. Juni 1886 am Leben. Während Ludwig II. zu Lebzeiten vor allem nach einem mystisch geprägten Idealbild eines christlichen Königtums strebte, zeigte er während seiner Regierungszeit kaum praktisch-politische Initiative. So hat sich Ludwig II. in der bayerischen Geschichte vor allem als leidenschaftlicher Schlossbauherr ein Denkmal gesetzt, weshalb er volkstümlich auch als "Märchenkönig" bezeichnet wird.

Das berühmteste Bauwerk ist das idyllisch in den Bergen gelegene Schloss Neuschwanstein. Rund 1,3 Millionen Besucher besichtigen jedes Jahr das Märchenschloss bei Füssen. Das Schloss Linderhof bei Oberammergau ist das kleinste von Ludwigs Schlössern. Es ist zudem das einzige, das noch zu seinen Lebzeiten vollendet wurde. Die besondere Attraktion ist die Venusgrotte - eine künstlich angelegte Tropfsteinhöhle mit einem Wasserfall und See. Schloss Herrenchiemsee gilt als Abbild des Schlosses von Versailles auf der Herreninsel - der größten Insel des Chiemsees - und sollte ein Denkmal für den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. (1643-1715) werden. Im Königshaus am Schachen verbrachte Ludwig II. seine Geburtstage in der Abgeschiedenheit des Wettersteingebirges. Heute ruht der bayerische Monarch in der Fürstengruft der Münchner Jesuitenkirche St. Michael.

Sachsen

Kurfürst Friedrich August (I.) der Starke (1694-1733) zählt zu den schillerndsten Figuren der höfischen Prachtentfaltung im ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts. Während seiner Regentschaft entwickelte er eine absolutistische Selbstdarstellung durch seine rege Bautätigkeit und sehr ausgeprägte Sammelleidenschaft. Zudem begründete er den heutigen Ruf der Landeshauptstadt Dresden als barocke Metropole. Unter August dem Starken erlebte das Kurfürstentum Sachsen eine enorme wirtschaftliche, infrastrukturelle und kulturelle Blüte. Zudem war er als August II.  in Personalunion auch König von Polen und Großfürst von Litauen.

Deutsches Reich

Als wilhelminische Epoche ging die Regentschaft von Kaiser Wilhelms II. (1888-1918) in die Geschichte ein. Wesentliches Kennzeichen seiner Politik war sein Streben, das Deutsche Reich als wichtige Größe in der Reihe der Weltmächte zu positionieren. Die Vorliebe Wilhelms für militärischen Prunk führte auch gesellschaftlich zu einer überbetonten Rolle des Militärs - auch in der zivilen Gesellschaft. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern wollte Wilhelm zudem die deutsche Innen- und Außenpolitik maßgeblich selbst mitbestimmen. Das "persönliche Regiment des Kaisers" entpuppte sich jedoch bald als eine von wechselnden Beratern gesteuerte Politik, welche die Entscheidungen Wilhelms als widersprüchlich und unberechenbar erscheinen lassen. Im Zuge der Novemberrevolution musste Wilhelm II. schließlich am 9. November 1918 abdanken.

Der Regierungsantritt Wilhelms II. im Jahre 1888 fiel noch in die Amtszeit des ersten deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck (1871-1890). Dieser hatte als preußischer Ministerpräsident (1862-1890) und gleichzeitig als Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes (1867-1871) maßgeblich die Gründung des Deutschen Reiches am 18. Januar 1871 vorangetrieben. Als Reichskanzler prägte er bis zu einer Entlassung 1890 entscheidend die Politik des neugeschaffenen Reiches mit: Während er außenpolitisch mit seiner Bündnispolitik ein Gleichgewicht der europäischen Mächte anstrebte, führte er innenpolitisch zahlreiche Reformen durch. Dazu zählen unter anderem die Einführung des Zivilehe und die Schaffung des Sozialversicherungssystems. Zudem war seine Kanzlerschaft vom andauernden Konflikt mit der katholischen Kirche - dem sogenannten "Kulturkampf" - geprägt.

Quelle: Historyin90Seconds auf Youtube

NS-Deutschland

Bis heute markiert die Zeit des nationalsozialistischen Terrors im "Dritten Reich" von 1933 bis 1945 das dunkelste Kapitel in der deutschen Geschichte. Maßgeblich dafür verantwortlich war Adolf Hitler (1889-1945), dessen Regime nach der "Machtergreifung" am 30. Januar 1933 die pluralistische Demokratie, den Föderalismus und den Rechtsstaat in Deutschland abschaffte. Basierend auf der antisemitischen und rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus begann zudem die systematische Verfolgung und Ermordung politisch Andersdenkender sowie religiöser und ethnischer Minderheiten - darunter der beispiellose Holocaust. Hitlers Regime ist zudem für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit Millionen von Kriegstoten sowie der Zerstörung weiter Teile Deutschlands und Europas verantwortlich.

Im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess wurden nach dem Zweiten Weltkrieg deutsche Politiker, Militärs und NS-Funktionäre erstmals für die Verbrechen in der Zeit der NS-Diktatur angeklagt. Die wichtigsten Anklagepunkte: die Planung, Vorbereitung, Einleitung und Durchführung eines Angriffskrieges, die Verbrechen an der Zivilbevölkerung und an den Kriegsgefangenen sowie für den Massenmord in den Vernichtungslagern. Von den 24 Angeklagten wurden zwölf zum Tode und sieben zu Freiheitsstrafen verurteilt. Drei Angeklagte wurden freigesprochen, zwei Verfahren wurden ohne Verurteilung eingestellt.

Deutsche Demokratische Republik (DDR)

In den Anfangsjahrzehnten der DDR galt Walter Ulbricht als bedeutendster Politiker. Von 1950 bis 1971 stand er an der Spitze des Zentralkomitees der SED und verfügte damit über die höchste politische Entscheidungsgewalt. Zudem wurde er 1960 zum Vorsitzenden des Staatsrates der DDR ernannt. Mit sowjetischem Einverständnis trieb Ulbricht den Aufbau des Sozialismus in der DDR voran und war maßgeblich für den Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 verantwortlich. Am 3. Mai 1971 erklärte Ulbricht "aus gesundheitlichen Gründen" seinen Rücktritt von fast allen politischen Ämtern. Faktisch kam sein Rücktritt aber einer Entmachtung gleich. Die Begründung: Ulbricht sei nicht mehr in der Lage, die wirtschaftlichen und politischen Realitäten richtig einzuschätzen Zudem verfolge er mit seiner Haltung gegenüber der Bundesrepublik eine Linie, die das zwischen der SED und der KPdSU abgesprochene Vorgehen empfindlich störe.

Dessen Nachfolge trat 1971 Erich Honecker an. Bis zu seinem Rücktritt am 18. Oktober 1989 galt er als mächtigster Politiker in der DDR-Geschichte. Seine größten außenpolitischen Erfolgen sind die Aufnahme der DDR in die UNO am 18. September 1973 und dessen Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland im September 1987. Die zunehmenden wirtschaftlichen Probleme des Landes und die innenpolitische Lage sowie die gespannten Beziehungen mit der Sowjetunion führten schließlich 1989 zu dessen Sturz und Rücktritt von allen Staats- und Parteiämtern.

Einer der Hauptverantwortlichen für den Ausbau der Sicherheitsorgane der SBZ/DDR zu einem flächendeckenden Kontroll-, Überwachungs- und Unterdrückungssystem war Erich Mielke. Von 1957 bis zu seinem Rücktritt 1989 leitete er das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Von 1960 bis 1989 war er Mitglied des Nationalen Verteidigungsrates der DDR (NVR).  Heute gilt er als der Inbegriff des Stasi-Terrors. Unter seiner Führung wurde die Staatsicherheit als "Schild und Schwert der Partei" massiv ausgebaut, sie war bis zum Ende der DDR das wichtigste Machtwerkzeug der SED.

Eine weitere wichtige Stütze des DDR-Herrschaftsapparates war zudem Willi Stoph: Von 1952 bis 1960 hatte er verschiedene Ministerposten inne. Von 1973 bis 1976 hatte Stoph den Vorsitz des DDR-Staatsrates inne. Von 1964 bis und 1973 und von 1976 bis 1989 war er Vorsitzender des Ministerrates der DDR. Laut einem Bericht des Bundesnachrichtendienstes (BND) von 1967 habe Stoph  eine "bemerkenswerte", "steile Karriere" hingelegt. Er sei für zunächst für die Wirtschaft, dann für den Aufbau von Polizei und Armee zuständig gewesen, und habe sich dann als stellvertretender Staatsratsvorsitzender bewährt.

Österreich

Erzherzogin Maria Theresia von Österreich (1740-1780) gehört heute zu den prägendsten Monarchen des aufgeklärten Absolutismus. Während sich ihr Ehemann Franz I. Stephan (1740-1765) vor allem der finanziellen Absicherung seiner Familie widmete, führte Maria Theresia die Regierungsgeschäfte. So leitete sie innenpolitisch umfassende Reformen - darunter in der Staatsorganisation sowie im Justiz- und Bildungswesen - ein und verfolgte wirtschaftspolitisch eine neue Form des Merkantilismus. Außenpolitisch suchte Maria Theresia den Ausgleich mit Frankreich.

Mit beinahe 68 Jahre gehört Kaiser Franz Joseph I. von Österreich (1848-1916) zu den am längsten regierenden Herrschern der Weltgeschichte. Innenpolitisch war seine Regentschaft geprägt von der Auseinandersetzung mit dem liberalen Bürgertum, der Entwicklung von einer absoluten zu einer konstitutionellen Monarchie, dem Ausgleich mit Ungarn und dem schwelenden Nationalitätenkonflikt. 

Außenpolitisch beherrschten vor allem der Konflikt mit Preußen im Deutschen Bund, das österreichische Engagement auf dem Balkan und der Erste Weltkrieg seine Amtszeit. Bereits zu Lebzeiten wurde Franz Joseph zudem mit einem nostalgischen Flair umgeben - nicht zuletzt auch wegen seiner Ehe mit Kaiserin Elisabeth ("Sissi") (1854-1898) sowie seiner zahlreichen Schicksalsschläge wie der Ermordung seiner Frau 1898, der Hinrichtung seines Bruders Maximilian in Mexiko 1867 oder der Selbstmord seines Sohnes Kronprinz Rudolf am 30. Januar 1889.

England

Mit Alfred dem Großen (871-899) wurden die politische Grundlage für die Vereinigung der angelsächsischen Königreiche unter der Oberhoheit von Wessex gelegt. Während seiner Regentschaft erfuhr die angelsächsische Kultur eine Blütezeit; auch die altenglische Sprache und Literatur wurden gefördert.

Eduard der Bekenner (1042-1066) war der letzte angelsächsische König in England und galt als überaus religiös. Während seiner Regentschaft wurde mit dem Bau der Westminster Abbey begonnen. Nach seinem Tode wurde Eduard als Heiliger verehrt.

Sein Cousin Wilhelm I. der Eroberer (1066-1087) beanspruchte mit dem Tode Eduards die englische Krone für sich und schuf mit der Eroberung Englands das anglo-normannische Königreich. Darüber hinaus veranlasste Wilhelm den Bau des Tower von London.

Um König Richard I. Löwenherz (1189-1199) ranken sich nach seiner kurzen Lebens- und Herrschaftszeit zahlreiche Legenden. In Sagen und der Literatur gilt er als der Inbegriff des weisen, guten Königs größter Ritterlichkeit. Während seiner Regentschaft führte Richard den Dritten Kreuzzug (1190-1192) an und geriet auf dem Rückweg nach England in die Gefangenschaft des römisch-deutschen Kaisers.

Während der Regentschaft seines Bruders Johann Ohneland (1199-1216) wurde 1215 die Magna Charta unterzeichnet. Diese gilt als wichtigste Quelle des englischen Verfassungsrechts und garantierte dem englischen Adel grundlegende politische Freiheiten gegenüber dem König.
König Eduard III. (1327-1377) gilt als bedeutendster englischer Monarch des Mittelalters. So festigte er während seiner Regentschaft die Königsmacht und begünstigte den wirtschaftlichen Aufschwung. Zudem entwickelte er England zu einer des bestorganisierten Militärmächte Europas.

Berühmt-berüchtigt wurde König Heinrich VIII. (1509-1547) vor allem durch seine sechs Eheschließungen - von denen zwei mit Scheidung und zwei mit der Hinrichtung der jeweiligen Ehefrau endeten. Heinrichs Regentschaft war darüber hinaus von großen sozialen und religiösen Veränderungen geprägt. So löste er im Jahre 1531 die Kirche von England vom Supremat des Papstes und machte die englische Krone zu deren Oberhaupt.

Seine Tochter Elisabeth I. (1558-1603) löste die englische Kirche endgültig vom Katholizismus und begründete die Seemachtstellung Englands. Das Elisabethanische Zeitalter markiert zudem einen Höhepunkt in der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Geschichte Englands. In den 45 Jahren ihrer Regentschaft über England legte das Fundament für den Aufstieg des britischen Empire zur größten Kolonialmacht der Welt. Ihre größte Rivalin war jedoch die schottische Königin Maria Stuart (1542-1567). Als "jungfräuliche Königin" Elisabet jedoch nie geheiratet. Mit ihrem Tod endete daher auch die Ära des Hauses Tudor.

Mit Oliver Cromwell (1649-1658) wurde die kurze republikanische Periode Englands eingeleitet. Als Lordprotektor fungierte er faktisch als Staatsoberhaupt des Commonwealth of England. In der britischen Geschichte gilt Cromwell als umstrittene Persönlichkeit: So bewerten ihn manche Historiker als Königsmörder und Diktator, andere sehen in ihm einen Freiheitshelden.
Während der Regentschaft von Wilhelm III. von Oranien (1689-1702) nahm der englische Staat die Form einer konstitutionellen Monarchie an. So regelte die Bill of Rights die Rechte des britischen Parlaments gegenüber dem Königtum.

Schottland

Robert I. the Bruce (1306-1329) gilt als einer der bedeutendsten Herrscher Schottlands. Während der Schottischen Unabhängigkeitskriege war er zudem - neben dem schottischen Freiheitskämpfer William Wallace (um 1270-1305) einer der wichtigsten Anführer der aufständischen Schotten. 

Aufgrund der künstlerischen Nachbetrachtungen ihres Lebens gilt Maria I. (Stuart) (1542-1567) zu den schillerndsten Monarchen Schottlands. Ihre Regentschaft war vor allem auch durch die Konflikte mit der englischen Königin Elisabeth I. (1558-1603) geprägt. 1587 wurde sie wegen Hochverrats hingerichtet, nachdem sie verdächtigt wurde, an einem Attentat auf die englische Königin beteiligt gewesen zu sein.

Ihr Sohn und Nachfolger Jakob VI. (1567-1625) wurde nach ihrer Absetzung zum schottischen König gekrönt. Im Jahre 1603 begründete er die Personalunion mit den Königreichen England und Irland. Zudem proklamierte er den geografisch verwendeten Begriff Großbritannien als politischen Begriff und führte den Union Jack als britische Flagge ein. Eine Verschmelzung der Staaten konnte er aber nicht durchsetzen.

Großbritannien

Die Regierungszeit von Königin Victoria (1837-1901) lange Regierungszeit (die zweitlängste Amtszeit) war vor allem von der Entwicklung Großbritanniens zu einer konstitutionellen Parteiendemokratie geprägt - einhergehend mit damit verbundenen Machtverlust der Monarchie. Im Viktorianischen Zeitalter erlebte das britische Kolonialreich seinen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Höhepunkt. Als konstitutionelle Monarchin war sie proforma Herrscherin über mehr als ein Fünftel der Erde und ein Drittel der Weltbevölkerung. Durch ihre zahlreichen Nachkommen erhielt sie auch den Beinamen "Großmutter Europas".

Mit Eduard VIII. (1936) erfuhr die britische Monarchie ihre erste Krise. Da er gegen den Willen der Regierung die zweimal geschiedene US-Amerikanerin Wallis Simpson heiraten wollte, dankte er noch im ersten Jahr seiner Regentschaft wieder ab.

Mehr als 70 Jahren trug Königin Elisabeth II. (1952-2022) die britische Krone - und genoss bis zu ihrem Tod den Ruf als Fels in der Brandung. Während ihrer Regentschaft hatten ihr 15 Premierminister gedient. Ihre Krönung am 2. Juni 1953 in Westminster Abby wurde zu einem medialen Großereignis. Auch wenn die Queen mit nur wenigen Machtbefugnissen ausgestattet ist, fungierte sie immer noch als Staatsoberhaupt von insgesamt 15 Staaten - den sogenannten "Commonwealth Realms". Politisch war ihre Regentschaft von mehreren bedeutenden politischen Prozessen geprägt: von Entkolonialisierung des britischen Weltreichs über den Kalte Krieg und bis hin zum Nordirlandkonflikt. Heute ist die Queen die Regentin mit der längsten Amtszeit in der britischen Geschichte.

Zu den führenden Politiker des 19. Jahrhunderts zählt William Ewert Gladstone. Zwischen 1868 und 1894 hatte er vier Mal das Amt des britischen Premierministers inne. Während seiner Amtszeiten führte er die allgemeine Schulpflicht ein und reformierte grundlegend das britische Bildungssystem sowie das Wahlrecht und das Gerichtswesen. Zudem bemühte er sich um eine Entschärfung des Konfliktes in Irland. Außenpolitisch war seine Amtszeit durch den Mahdi-Aufstand (1881-1899) im Anglo-Ägyptischen Sudan geprägt.

Sir Winston Churchill gilt als bedeutendster britischer Staatsmann des 20. Jahrhunderts, der zweimal das Amt des Premierministers (1940-1945 und 1951-1955) bekleidete. Seinen Ruf erwarb sich Churchill aber als britischer Premier während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) sowie als Vordenker der "Vereinigten Staaten von Europa". Auch als Autor wurde Churchill bekannt, für die er 1953 den Nobelpreis für Literatur erhielt.

Quelle: Statista

Als erste Frau in der Geschichte bekleidete Margaret Thatcher (1979-1990) das Amt des britischen Premierministers. Wirtschaftspolitisch war die Amtszeit der "Eisernen Lady" durch den von ihr vertretenen "Thatcherismus" geprägt. Außenpolitisch zählten der Falklandkrieg und die deutsche Wiedervereinigung zu den Höhepunkten ihrer Regierung.

Frankreich

König Franz I. (der Ritterkönig) (1515-1547) zählt zu den bedeutendsten Renaissance-Fürsten Europas und als Begründer des französischen Absolutismus. So beendete er die Epoche der Loire-Könige, trieb die Zentralisierung der Macht auf Paris voran und brach die Macht der letzten französischen Kronvasallen. Die Außenpolitik des französischen Monarchen richtete sich dabei vor allem gegen die Habsburger, womit er die Grundlage für den rund 240 Jahre andauernden Habsburgisch-Französischen Gegensatz (1516-1756) schuf. Franz I. ging zudem als großer Kunstförderer in die Geschichte ein: Mit dem Ankauf zahlreicher italienischer Werke legte er den Grundstein für den späteren Louvre.

Als bedeutendster Monarch der französischen Geschichte gilt Ludwig XIV. (1643-1715) - auch bekannt als der "Sonnenkönig". Er vollendete den Absolutismus seiner Vorgänger, in dem die Hofkultur ganz auf die Person des Herrschers zugeschnitten wurde. Zudem war Ludwig XIV. ein großer Mäzen der Künste und Wissenschaften, was zu einer Blütezeit der französischen Kultur in Europa führte. Ein Höhepunkt seiner Regentschaft ist der Bau des Schlosses von Versailles. Mit 72 Jahren und 110 Tagen ist er zudem das am längsten amtierende Staatsoberhaupt in der europäischen Geschichte.

Zu den umstrittensten Persönlichkeiten der Geschichte gehört der gebürtige Korse und französische General Napoleon (I.) Bonaparte (1799-1815). Dank seines militärischen Talents stieg Napoleon während der Französischen Revolution in der Armee auf. Vor allem seine Feldzüge in Italien und Ägypten machten ihn schnell populär und zu einem politischen Hoffnungsträger. Mit dem Staatstreich des 18. Brumaire gelang es Napoleon, die Macht in Frankreich zu übernehmen und sich am 2. Dezember 1802 zum Kaiser krönen zu lassen. Innenpolitisch hat Napoleon dank zahlreicher Reformen - darunter den Code Civil - die staatlichen Strukturen Frankreichs bis heute geprägt. Außenpolitisch errang er, gestützt auf die Armee, zeitweise die Herrschaft über weite Teile Kontinentaleuropas. Nach seiner Niederlage in der Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815 wurde Napoleon als Kriegsgefangener auf die britische Atlantikinsel St. Helena verbannt, wo er am 5. Mai 1821 starb.

Der Russlandfeldzug von Napoleon Bonaparte

Der Russlandfeldzug des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte gilt heute als Wendepunkt seiner Herrschaft auf dem europäischen Kontinent. Als er am 24. Juni 1812 über den Grenzfluss Memel überschritt und nach Russland einmarschierte, galt der französische General korsischer Herkunft als militärisches Genie. Seine Grande Armée galt als unschlagbar und eilte zuvor von einem Sieg zum anderen. Mit diesem Feldzug wollte Napoleon den russischen Zaren Alexander I. (1801-1825) zur Einhaltung der Kontinentalsperre gegen Großbritannien zwingen.

Allerdings verlief Napoleons Feldzug bereits von Anfang an völlig anders als geplant: so wich die rund 350.000 Mann starke russische Armee unter der Führung von Generalfeldmarschall Michail Barcley de Tolly zunächst großen Schlachten aus. Vielmehr hinterließ sie bei ihrem Rückzug in die Weiten des Landes zumeust "verbrannte Erde", so dass sich die französische Armee nicht aus den eroberten Gebieten versorgen konnte. Erst im August 1812 kam es bei Smolensk zur ersten größeren Schlacht zwischen den beiden Kriegsparteien. Zu diesem Zeitpunkt hatte Napoleon allerdings schon große Teile seiner Streitkräfte durch Mangel an Proviant und Desertation verloren.

Etwa 100 Kilometer vor Moskau kam es schließlich am 7. September 1812 bei Borodino zur blutigsten Schlacht des Krieges, in der etwa 80.000 Soldaten auf beiden Seiten ihr Leben verloren. Am 14. September 1812 zog die französische Armee schließlich in Moskau ein, wo Napoleon erfolglos auf das Einlenken des russischen Zaren waren. Einen Monat später befahl er schließlich den Rückzug - Moskau wurde zudem durch zahlreiche Brände weitgehend zerstört. Erschwert wurde Napoleons Rückzug zudem durch "General Winter" mit arktischen Temperaturen - zahlreiche Soldaten starben demoralisiert an Kälte, Hunger und Krankheiten. In der Schlacht an der Beresina konnte sich die französische Armee nur unter großen Verlusten an das gegenüberliegende Ufer retten.

Am Ende des Feldzuges erreichten im Dezember 1812 nur noch etwa 20.000 Soldaten den Ausgangspunkt an der Memel - Napoleon hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits in die französische Hauptstadt Paris abgesetzt. Drei Jahre nach seinem Angriff aus Russland musste Napoleon schließlich als Kaiser der Franzosen abdanken. Nach einer kurzen Phase der Verbannung auf Elba kehrte Napoleon zwar 1815 für hundert Tage an die Macht zurück. Mit seiner Niederlage in der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 wurde er als britischer Kriegsgefangener auf die Atlantikinsel St. Helena verbannt, wo er am 5. Mai 1821 starb.

Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle (1959-1969) zählt zu den bedeutendsten französischen Staatsmännern des 20. Jahrhunderts. Während des Zweiten Weltkrieges führte der französische General den Widerstand des "Freien Frankreich" gegen die deutsche Besetzung. Als Premierminister setzte de Gaulle eine umfangreiche Verfassungsreform durch, die 1959 in der Fünften Französischen Republik mündete. Während seiner Amtszeit als Staatsoberhaupt beeinflusste er maßgeblich die französische Politik durch seine Ideologie des Gaullismus. Die französische Außenpolitik während seiner Amtszeit war vom Algerienkrieg (1954-1962) und der deutsch-französischen Aussöhnung geprägt.